LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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In eigener Sache

 

Die Redaktion erreichen nahezu täglich Anfragen zu bestimmten Wörtern des Mitmachwörterbuchs. Immer geht es dabei um die Frage nach der Herkunft oder Geschichte eines Wortes. Das hat der Redakteur Peter Honnen zum Anlass genommen, die Antworten in einem umfangreichen Wörterbuch zu bündeln und zu veröffentlichen. Herausgekommen ist ein 700 Seiten dicker Band, der in über 2000 Wortartikeln die Geschichte von etwa 3000 Wörtern der Umgangssprache an Rhein und Ruhr beschreibt.    

Denn was die vielen Autoren und Autorinnen des Mitmachwörterbuchs schon immer wussten: Die sprachliche Welt jenseits der Schriftsprache ist bunt und vielfältig. Die Umgangssprache an Rhein und Ruhr ist geradezu ein Tummelplatz ungewöhnlicher Wörter wie Pips, knöttern, bott, stickum, Knies, uselig, Söller, Klaaf, Dörpel, Ambach, plästern, spinksen,  Ullig, Schinoos, oder Orzen. Was aber nur die wenigsten wissen: Dies sind keineswegs sprachliche Kuriositäten, über die man schmunzeln kann, sondern lebendige Sprachzeugnisse der bewegten Vergangenheit des Rheinlands als römische Kolonie, fränkisches Siedlungsgebiet oder jüdische Migrationsregion im Mittelalter. Und Wörter wie tergen, frackich, kühmen, verbaseln oderbölken belegen noch heute die enge umgangssprachliche Verbundenheit mit dem niederdeutschen Sprachraum: die Umgangssprache als Bastion gegen hochdeutsche Gleichmacherei. Dazu kommen französische und niederländische Lehnwörter wie Amarasch, dörmeln, Pick und Pluten, Baas oder Raubauke sowie Entlehnungen aus dem Rotwelschen (Kohldampf,verkohlen) und Neuschöpfungen wie Zigulle, Zichte oder Fuppes.

Genau so wie alte Gebäude, Ausgrabungen, Urkunden oder andere Überreste erweist sich auch die Umgangssprache als ein aufschlussreiches Zeugnis für  die lange Geschichte an Rhein und Ruhr. Mit einem großen Unterschied allerdings: Sie ist keine archivalische, sondern eine quicklebendige Quelle, die noch tagtäglich von den Menschen in der Region benutzt wird. Oder anders herum: Wenn die Menschen ihre Alltagssprache sprechen, erweisen sie der Region und ihrer Geschichte die Reverenz. Grund genug, das Mitmachwörterbuch ständig zu ergänzen. 

Wer sich für die Geschichte der hier dokumentierten Wörter interessiert, kann sie nun in dem neuen Herkunftswörterbuch  erstmals ausführlich nachlesen. Für Aha-Erlebnisse bürgt der Redakteur des Mitmachwörterbuchs:

Peter Honnen: Wo kommt dat her? Herkunftswörterbuch der Umgangssprache an Rhein und Ruhr. Greven Verlag Köln, 688 Seiten, im Handel erhältlich für 28 Euro.

 

 

Hinweis:

 

 

Ab sofort stehen in der Menuleiste links zwei neue Features zur Verfügung:

Unter der Rubrik Neueste Einträge können alle neuen Wortartikel und alle neuen Ergänzungen abgefragt werden. Die neuesten Einträge finden sich jeweils an oberster Stelle.

So können alle Autorinnen und Autoren auf einen Blick erkennen, ob ihre Vorschläge eingearbeitet wurden.

  

Auswertung

Alle Forscher, die sich mit der Alltagssprache beschäftigen, haben dasselbe Problem: Gesprochene Sprache ist ein äußerst flüchtiges Gut. Wenn nicht zufälllig oder gar verbotenerweise ein Mikrofon in der Nähe war, existiert die gesprochene Sprache eben nur so lange, wie ein Gespräch zwischen den Sprecherinnen und Sprechern tatsächlich dauert.

Wie die Menschen einer Region tatsächlich im Alltag miteinander reden, wenn sie unbeobachtet und von allen sprachlichen Zwängen befreit sind, ist deshalb gar nicht so leicht zu ermitteln. Gesicherte empirische Daten zur Sprachsituation der Alltagssprache einer Landschaft sind immer Mangelware.

Aus diesem Grund gibt es schließlich auch das "Rheinische Mitmachwörterbuch". Hier wird die rheinische Alltagssprache so authentisch wie möglich dokumentiert, schließlich sind die Sprecherinnen und Sprecher selbst die Autoren und Autorinnen. Und deshalb kann man auch hier lesen, was man sonst nur zu Hören bekommt. Und gerade da ist für alle, die sich mit der aktuellen Sprachentwicklung befassen, äußerst interessant. Denn in der gesprochenen Sprache werden schließlich die Weichen für die Strecken gestellt, die später einmal auf die eingefahrenen Gleise der Standardsprache führen werden.

Wie man das Mitmachwörterbuch für solche Analysen nutzen kann, soll ein kleiner Artikel zeigen, den der Redakteur des Wörterbuchs für die Zeitschrift "Alltag im Rheinland" (Pdf 2,8 MB) geschrieban hat und der dort oder unter dem nebenstehenden Link eingesehen werden kann.

 

In eigener Sache:

 

Zu Schottelplack, Jütschklomp und Konsorten

Das Mitmachwörterbuch ist ein Wörterbuch der rheinischen Umgangs- oder Alltagssprache - es ist kein Dialektwörterbuch. Dennoch werden immer wieder Vorschläge eingereicht, die eindeutig Mundartwörter und nur im mundartlichen Kontext zu hören sind. Diese können - leider - nicht Eingang in das Mitmachwörterbuch finden. Das auch, weil es ein rheinisches Mundartwörterbuch schon lange gibt: das berühmte "Rheinische Wörterbuch", das seit einiger Zeit auch im Netz zu finden ist (hier).

 

Interessanterweise werden bestimmte Mundartwörter dabei immer wieder genannt. Es gibt offensichtlich eine ganze Reihe von sehr beliebten, typischen oder irgendwie besonders interessanten Wörtern. Der Redakteur des Mitmachwörterbuchs hat schon vor längerer Zeit in einer landesweiten Umfrage nach diesen besonderen Mundartwörtern gefragt und so etwas wie eine Hitliste erstellt. Den Aufsatz zu Schottelplack, Jütschklomp und Konsorten findet man hier.