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Brassel

(Brassel und seine Ableitungen werden je nach Region mit weichem oder scharfem s gesprochen) Last, Arbeitsbelastung Ich bin ganz schön im Brassel, für Urlaub hab ich keine Zeit. Man kommt überhaupt nich mehr aus dem Brassel heraus. Ich hoffe, das ich mit dem ganzen Brassel bald fertig bin. Der hat ganz schön viel Brassel am Hals. (viel Arbeit) Brasselei, Gebrassel/Gebrassels Mein gott, war dat ein Gebrasssels, bis dat endlich geklappt hat mit der Umstellung auf DSL. Du has abber auch immer ein Gebrassl mit deinen Kindern. Mühevolle Arbeit, Wühlarbeit Vor lauter Brasselei komm ich zu nix. Dat ganze Gebrassel bringt doch nichts. brasseln schwer arbeiten, wühlen Der arme Mann is nur am brasseln, um seine vielen Kinder durchzukriegen. Der is schon den ganzen Tag im Garten am brasseln. Wat der immer zu brasseln hat? Der is schon den ganzenTag im Keller am brasseln; und fertig is der übermorgen noch nich. (planlos herumarbeiten, dilletantisch werkeln) herumbrasseln vor sich hin arbeiten Der kann stundenlang an seinem Auto herumbrasseln. durchbrasseln durchschlagen Wie gehdet? Man brasselt sich so durch. brasselich arbeitsintensiv, umständlich, aufwendig Nee weißde, de Schoh für de ganze Familie putz ich nich, dat is mir zu brasselich jetz.aufbrasseln übertrieben zurechtmachen, aufbrezeln Liebchen, was haste dich aufgebrasselt!  Brasseler, Brasselspitter ununterbrochen Arbeitender (interessanterweise können mit diesem Wort nur Männer bezeichnet werden) Die hat son richtigen Brasseler geheiratet. Auch Brasselbiest. In Köln und seinem Umland ist auch noch in der Umgangssprache die Bezeichnung Brassel(e)manes zu hören (wie Brasseler) Der Nachbar is en richtiger Brasselemanes. Brasseln und Brassel sind im ganzen Rheinland verbreitet.In den Dialekten ist die Hauptbedeutung noch erhalten: gemeinsam essen und Schmaus, so dass hier ein Abstammung von mittelhochdeutsch bras wahrscheinlicher ist als bei Brast.

Bearbeiter: Peter Honnen, Purodha Blissenbach (Köln), Helmut Linden, Petra van de Lageweg (Kempen), Antje Gäbel (Essen)

Literatur: Kappes, Knies&Klüngel


Kommentare

11.09.2014, 18:45 Uhr
Agnes Tappe
Essen
In Essen sagte man zu einem Brasselspitter oder Brasseler wohl auch  Brasselsfutt.

Satzbeispiel:
Kuck den ollen Schmittmann, seit seine Frau tot ist, wühlt der den ganzen Tach im Gaaten. Der wird noch die reinste Brasselfutt, wenner kein anderet Hobby findet.

11.06.2013, 16:49 Uhr
Andre Ritter
Krefeld
Ich sehe eine Verbindung zwischen "Brasseln" und "Ambraasch", beides vielleicht zurückzuführen auf "Embarras" (Barasseln verkürzt zu brasseln), dieses wiederum aus der französischen Besatzungszeit (wie fast immer ;-) ).

"Ambraasch" siehe "Amboraasch"

26.02.2012, 17:09 Uhr
Joachim Manzin
Düsseldorf

"Brasseln" kenne ich hingegen als Arbeiten ohne planmäßiges Vorgehen, meist in der Variante "vor sich hin brasseln", wobei das aber mit negativen Gefühlen verbunden ist, da die Planlosigkeit vom "Brasseler" als unangenehm empfunden wird.

>Beispiele:

"Wegen meiner Grippe kann ich nur noch vor mich hin brasseln"

"Heute ist so viel los, ich kann nur noch rumbrasseln"

18.12.2009, 13:21 Uhr
Margret Forst
Düsseldorf
In meiner Kindheit wurde mit gesagt, das der Brasselemanes eine Verballhorung des spanischen Handkuss (Basso de la manos?)ist. Dafür spricht, das "ne Brassel am Lief han" bei uns meist geringschätzig verwendet wurde für jemanden der umständlich arbeitet oder Arbeiten verrichtet, die man für überflüssig hält. Der Rheinländer an sich geht ja sonst alles gemächlicher an.

01.09.2008, 13:50 Uhr
Peter Honnen, Redakteur
Bonn
Die Abstammung aus der Franzosenzeit ist sehr unwahrscheinlich. Das Wort ist eindeutig älter. Wahrscheinlich geht es auf mittelalterliches "brass" (Schmaus, Gelage)zurück. In den rheinischen Mundarten bedeutet brasseln vielfach auch noch "gemeinsam essen, prassen".

13.08.2008, 15:58 Uhr
Ursula Düpper-Stemmer
Düren
Meines Erachtens stammt das Wort "Brassel" oder auch "brasseln" aus der Französischen Besatzungszeit Anfang des 19. Jahrhundert vom französischen Wort "brasser" (= aufwühlen, umrühren, vermischen, Geschäfte machen,...) ab. Ein "Brasselspitter" wäre in diesem Falle ein Mensch, der ständig viel zu tun hat, oft herumwuselt oder an etwas - manchmal recht sinnlos - herumbastelt oder herumwühlt.

07.08.2007, 13:37 Uhr
U. Tangerding
Bocholt
"Brasseln und Brassel sind im ganzen Rheinland verbreitet". Hier, "wo Westfalen am Rhein líegt", auch.


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