LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
Logo LVR


Vorheriges Stichwort: Bringer   Nächstes Stichwort: britzeln

 

Britz

Geländer, Reling Die Britz an unserem Balkon es locker, lehn disch nit su fest dajejen!
Ein typisch zentralrheinisches Wort, das eigentlich "Brett, Latte" meint. In Köln und im Süden von Köln verbreitet, aber meist nur noch von älteren Sprechern und Sprecherinnen gebraucht. In Mönchengladbach bedeutet Britz auch "dicker (meist weiblicher) Hintern" Mensch, wat die en Britz;   in Korschenbroich ist ein stiever Britz in ungelenkiger Mensch. In der Nordeifel kann en ahl Britz auch eine alte Kuh (oder entsprechend abwertend eine alte Frau) bezeichnen.

Bearbeiter: Michael Greven (Köln), Hermann Josef Gebertz (Königswinter), Heinz Koeser (Mönchengladbach), Elisabeth van Langen (Köln); T.H. (Korschenbroich)

Literatur: A. Wrede: Neuer Kölnischer Sprachschatz 1/105


Kommentare

22.08.2019, 11:21 Uhr
Raphael K
Neuss
Auch in Neuss bezeichnet der Ausdruck "Stieve Britz" einen Menschen, der sehr ungelenkig ist (siehe Tamara H 24.03.2017).

04.01.2019, 13:01 Uhr
Ingo Pfafferott
Köln

Vor ca. 100 Jahren war Rodenkirchen im Süden Kölns ein beliebtes sommerliches Ausflugsziel der Kölner Bevölkerung. Hier gab (und gibt es noch) breite Sandstrände und Buchten am Rheinufer. Ab 1912 zog es viele ins neu eröffnete Rodenkirchener Strandbad. Männer und Frauen waren allerdings durch einen geschlossenen Lattenzaun voneinander getrennt. Diesen Zaun nannte man "die Britz". Wegen des Andrangs von Männern, die durch Ritzen und Astlöcher im Zaun einen Blick auf die auf die andere Seite der Britz werfen wollten, brach diese auf ganzer Länge zusammen. Darüber wurde am 6.8.1913 in Gedichtform sogar in der Berliner Tageszeitung berichtet.

Quelle: Bezirksvertretung des Stadtbezirkes Rodenkirchen, "1000 Jahre Rodenkirchen - Streifzüge durch die Geschichte", Verlag Greven und Bechtold, 1989

07.01.2019, 11:31 Uhr
Redakteur: Herzlichen Dank für diese schöne Geschichte. Gruß P. Honnen

29.03.2018, 01:20 Uhr
Käbeck
Kerpen
Met en Arschritz op de Britz sitze. un am Hingersch schwitze- Mit einem kleinen Poanteil auf dem Donnerbalken sitzen und am Hintern schwitzen.
Kenne Britz auch als Balken, Paneele, Vorsprung

14.06.2017, 10:56 Uhr
Peter Simon
Bad Hönningen
Bei uns im Mittelrheintal ist Britz eine Bodenart. Es hat handelt sich bröckeligen Schieferfels.

23.06.2017, 10:28 Uhr
Redakteur:

Hallo Herr Simon,

ich mache mich mal schlau, ob es sich hierbei um dasselbe Wort handelt.

Dank und Gruß  P.H.

 

So, jetzt habe ich mich schlau gemacht: Britz als Bezeichnung des Tuffs oder vulkanischen Bodens ist ein eigenständiges Mundartwort und hat mit Britze "Brett" nichts zu tun.

Die Frage wäre jetzt: Wird Britz heute noch in der Umgangssprache gebraucht?

Dank und Gruß P.H.

24.03.2017, 16:14 Uhr
Tamara H
Korschenbroich
Bei uns auf'm Dorf in der Nähe von Gladbach bezeichnet "Stieve Britz" umgangssprachlich einen ungelenkigen Menschen :)

21.02.2014, 15:59 Uhr
Elisabeth van Langen
Köln
Britz ist mir auch geläufig als "ahl Britz", welches in der Nordeifel (Simmerather  Raum) als Schimpfwort für eine alte Kuh,respektive eine nörgelnde alte Frau genutzt wurde.

11.08.2011, 14:52 Uhr
Manfred Visang
Köln
Laut Prof.Dr. Wrede es en Britz (en Kölle Bretz jesproche) e Brett oder en Latt also kammer he och nit övvwer en Britz jon, sonden nur hinger en Britz ston weil domet etmietz ne Lattezung jemeint es. äwwer en Britz vürm Kop kammer trotzdäm han.

07.07.2011, 11:43 Uhr
Heinz Koeser
Mönchengladbach
Mit Britz ist hier in Mönchengladbach das weibl. dicke Gesäß gemeint. Mensch wat hat die enn Britz.

25.02.2009, 19:37 Uhr
Peter Schnitzler
Jüchen
Die Britz bezeichnet im "Jlabbacher Platt" den Hintern.

23.05.2008, 11:36 Uhr
Purodha Blissenbach
Köln
Als Dialekt-Einsprengsel in der Regionalsprache "övver de Bretz jonn" = abstürzen (wirklich, nicht im übertragenen Sinn), beabsichtigt oder auch nicht. Jemand turnt - weit weg, auf der andern Seite - auf einer Kölner Brücke auf/am Geländer herum. Eine Passantin greift erschreckt nach dem Arm ihres Begleiters und zeigt dahin: "Kumma da, der, is der lebensmüde? Der wird doch nit övver de Britz jonn? Auweija ich kann da gaa nich hinguckn, dat darf doch nich waa sein, watteer da tut..."
-- Hier fällt wieder auf, daß wie so oft, wenn es emotional wird, der Dialekt die Oberhand behält und in den übrigen Satzteilen die regionale Umgangssprache ("nit" ist Kölsch, "nich" ist Umgangssprache, "övver" ist Kölsch, "übber" wäre Umgangssprache gewesen, "wird", geprochen "wecht" mit ch wie in "Dach", ist Umgangssprache, "wett" oder "wed" wäre Kölsch gewesen) Ich hoffe, ich habe mich präzise genug an das erinnert, was ich gehört habe. Es ist nicht so leicht, Aufmerksamkeit für die Sprache aufzubringen, wenn man vor allem erst mal erschrocken ist und Angst um den Menschen auf der andern Brückenseite hat.

18.09.2007, 13:59 Uhr
Rainer Hermanns
Wevelinghoven
Als "britze" versteht man bei uns auch den GV eines Mannes. " ich jonn met dem ??? jett britze "


Wortartikel kommentieren

Sorry! Die interaktiven Funktionen sind zur Zeit leider deaktiviert, da die Redaktion des Mitmachwörterbuchs verwaist ist und keine Einarbeitung erfolgt. Deshalb kann man im Moment im Lexikon nur blättern, lesen oder suchen. Sobald als möglich werden die Funktionen wieder freigeschaltet.