LVR-Institut für Landeskunde
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Casalla,

Kasalla Prügel, Schläge, Abreibung Die Schalker ham in Köln aber orntlich Kasalla gekricht. Wenne nich sofort aufhörst, da gibbet gleich Casalla. Kasalla heißt auch eine LP der Kölschrock-Gruppe Brings aus den frühen Neunziger Jahren. Um Neuss kennt man auch die Variante Kadalla. Im Saarland kennt man die Wendung ordentlich Casalla haben betrunken sein.

Bearbeiter: Peter Honnen, Michael Mühr (Rösrath), R.E. Fiedler (Düsseldorf), Andreas Graf (Köln), S. (Saarland)


Kommentare

24.01.2019, 13:59 Uhr
Kanone
Altes Römisches Reich
Sonst jibbet Kasalla (bzw. Casalla) !
... kommt aus dem Slavischen bzw. Russischen und bedeutet:
Sonst gibt es eine Ansage!
kazakh bulgarisch: (ich, er, jemand) sagte (kazakh ti: ich sagte dir)
kazala russisch: sagte (etwas zu sagen haben, etwas gesagt haben)
Evtl. waren auch einst ein paar Hunnen und Kasachen in Köln. ;-)

09.08.2017, 20:40 Uhr
Gero Preuss
Köln-Königsforst
Die Co-Kommentatoren Dr. Graf und Mühr sind auf dem richtigen Weg... Wie das Wort auch heute geschrieben werden mag, es stammt ab vom Namen erwähnter Schulmöbelfabrik. Mein Mitschüler Andre S. und ich entdeckten 1977 das besagte, dreieckige, schwarz-silberne Markenschild der Firma Casala auf den recht desolaten Schulmöbelrelikten unseres Gymnasiums Schaurtestrasse in Köln-Deutz. Als kreative und damals recht "jecke" Menschen entfernten wir Schilder dieser Art mittels Schraubenzieher vom Gestühl und hefteten sie provokativ auf unsere schwarzen Leder-Bomberjacken, was nicht gerade auf Zustimmung des Lehrkörpers stiess. Wir missachteten dies konsequent und verteilten auch an andere Gleichgesinnte diese Schilder. Daraus machten Aussenstehende die "Casala-Bande"... Mit einem gewissen Respekt einerseits und mit einer Grielächerei. Wir freuten uns. Nach einigen Monaten stand dann das Wort "Casala" auf einmal für Inner-oder Intergruppenkonflikte oder schlicht gesagt das, was man heute in Jugendkreisen STRESS nennen würde. "Dat jitt Casala......!" Etwa 3 Jahre später hörte ich in der KVB Linie 9 auf einmal das Gespräch zweier Jugendlicher, die sich über Probleme und Auseiandersetzungen unterhielten, der eine meinte dann: "lass dat lieber, dat gibt total Casala....!" Somit war aus einem Schülergag mit dem verkommenen Einrichtungsgut des Deutzer Gymnasiums Schaurtestrasse allgemeinsprachliches Wortgut geworden. Wenigstens etwas, was diese Anstalt hervorgebracht hat. Ausser seinen genialen, hochbegabten Schöpfern natürlich...... Esu, leev Lück und Kasallas/Casalas, wor dat in Düx. Un nit anders. Wer jet anders sät, dä kritt Casala. Ävver mit C un einem L!!!

11.08.2017, 15:29 Uhr
Redakteur:

Hallo Herr Preuss,

herzlichen Dank für Ihren schönen Bericht.

Der Dank für die Deutung des Wortes Casalla gebührt aber dem Lehrer Hermann Müller aus Troisdorf, der das Wort in der heute gebrauchten Bedeutung schon 1955 dokumentiert hat. Hier mal ein Wortartikel, den ich für ein neues Projekt gerade geschrieben habe:

 

Das Wort ist relativ neu und nicht dialektbasiert, denn es ist in keinem Dialektwörterbuch verzeichnet. Die ältesten Belege scheinen in die Sechziger Jahre zu deuten. Deshalb kann ein moderner, schülersprachlicher Ursprung angenommen werden, der in diesem Fall sogar eine Entstehungslegende wahrscheinlich macht, die normalerweise als lustige Anekdote abgetan worden wäre: „Noch bis weit in die Fünfziger Jahre wurde in deutschen Schulen durchaus einmal eine ordentliche Tracht Prügel verabreicht. Die übliche Form der Bestrafung, die nur die Jungen betraf, waren Schläge auf den Hintern. Dazu musste sich der Delinquent bäuchlings auf einen Tisch im Klassenraum legen. Auf einer Seite hing er dann kopfüber herunter. Und was erblickte der beklagenswerte Kerl in dieser Situation: Ein kleines dreieckiges Schild mit der Aufschrift „Casala“. Dazu muss man wissen, dass die Firma Casala zwischen 1920 und 1965 Möbel, ab 1946 vor allem Schulmobiliar hergestellt hat. Im Rheinland waren nachweislich sehr viele Schulen mit den Tischen und Stühlen aus Lauenau ausgestattet. Die Firma unterhielt in den sechziger Jahren sogar ein Auslieferungslager in Pulheim. Das kleine Firmenschildchen, das auf allen Schulmöbeln angebracht war, zeigte einen sitzenden Schüler und den Schriftzug Casala, eine Abkürzung der Initialen Carl Sasse Lauenau.“

Diese schöne Wortgeschichte kann zumindest vorläufig geglaubt werden, allerdings spricht der saarländische Beleg dagegen.  

Fellsches/Gronemann 52; Honnen 2008 110; MmWb;  Schreiben von Hermann Müller an das LVR-Institut in Bonn 2003

Dank und Gruß

Peter Honnen

31.12.2016, 23:50 Uhr
Silvia
Saarland
Bei und heisst es : casalla haben Bsp: der da hat aber schon ordentlich casalla....auf Deutsch meint es ..der ist aber schon ganz schön besoffen...

18.02.2016, 21:13 Uhr
ohne Name
lauenau

Hier die richtige Lösung zum Rätsel: Der Firmenname CASALA ist das Kürzel für Carl Sasse Lauenau, steht also für Firmengründer und Produktionsstandort der weit verbreiteten und bekannten Schulmöbel. Die heutige Firma CASALA hat den Namen nach der Insolvenz gekauft, wobei die Geschichte des Firmennamens offensichtlich dabei nicht von Interesse war... Lauenau ist ein kleiner Ort in der Nähe von Hannover.

23.02.2016, 16:06 Uhr
Redakteur: Siehe die Kommentare weiter unten!

Dank und Gruß P. Honnen

02.02.2015, 16:53 Uhr
erik schreiber
bickenbach

Im Jahre 913 wird in zwei Urkunden die nordhessische Stadt Kassel, bis 1926 Cassel, als Chasella bzw. Chasselle erwähnt.

In wieweit dies für eure Namensforschung von Interesse ist, kann ich nicht sagen.

15.10.2013, 17:33 Uhr
Jean - Pierre Welter
Hürth
ups habe leider vergessen meinen Namen einzutragen

15.10.2013, 17:30 Uhr
ohne Name
ohne Ort

Ich hatte heute die Freude mich mit Herrn van der Winkel, seit 2001 Eigentümer der Firma Casala, zu unterhalten.

Imlaufe unserer Unterhaltung kamen wir auf den Firmennamen zusprechen. Herrr van der Winkel schilderte die Entstehung des Firmennamens wie von Herr Dr. Graf beschrieben. Die Firma feierte dieses Jahr ihr 90jähriges bestehen (gegründet somit 1923) und lieferte die Schulmöbel wie beschrieben nach dem Krieg. Der Firmenname lautet CASALA ohne doppel L.

Herr van der Winkel machte mich darauf aufmerksam, dass der kölsche Spruch " jetz gibbet et Casala" sich vom Firmennamen ableitet. Als gebürtiger Kölner aus dem Fringsvedel war ich wie elektrisiert das ich diese Information beiläufig bei einem Gespräch in Culemborg - Niederlanden erhielt.

13.11.2012, 20:45 Uhr
Josef Blum
Kreuzau


Die auch im Karneval tätige Band von Florian Peil nennt sich Kasalla.Man sollte eimal bei Florian nachfragen, weshalb er diesen Namen wählte. Ich werde es bei Gelegenheit tun.

30.07.2009, 10:31 Uhr
Giuliana
Neuss
Mir ist nur die Variante Kadalla bekannt.

19.02.2008, 05:52 Uhr
Purodha Blissenbach
Köln
Zur Datierung: Aufgrund des letzten Absatzes unter der Überschrift "Kasala" auf der Webseite: http://ksh.wikipedia.org/wiki/Metmaacher_Klaaf:Düüvelskääl/Klaaf-Archiv_2#Kasala habe ich ein paar ältere Kölner befragt, bekam in einem Fall die Auskunft, daß (mindestens manche) Bierfahrer von Sester ihre Pferde mit dem Ruf "Kasalla" angetrieben haben; aufgrund der Umstände muß das noch vor 1960 und nach 1956 gewesen sein.

01.06.2007, 10:17 Uhr
Peter Honnen, Redakteur
ohne Ort
Zur Wortgeschichte:
Die schöne Legende, die Dr. Graf berichtet, geht auf eine Pressemeldung unseres Instituts zurück. Der Bezug zur Firma Casalla wurde erstmals von Jürgen Schröder, einem ehemaligen Lehrer aus Troisdorf, hergestellt. Jürgen Schröder hat auch Nachforschungen zur Firmengeschichte betrieben. Danach könnte die Legende tatsächlich stimmen, denn die Firma hat nach dem Krieg die Schulen im Rheinland mit Schulmöbeln beliefert. Entscheidend wird sein, wann das Wort erstmals nachgewiesen werden kann. Bei Wörtern der Umgangssprache ist das bekanntlich nicht einfach.

08.04.2007, 18:26 Uhr
Dr. A. Graf
Köln
Ich recherchiere seit etwa zehn Jahrn nach den Ursprüngen und Herkünften des Wortes, bin aber weder in diversen Mundart- oder sonstigen (Online-) Wörterbüchern noch bei etlichen direkt befragten Experten schlauer geworden. Bislang glaubte ich, es hinge mit Chasalla zusammen, das war ein Schuh- und Stiefelhersteller, der um 1900 herum in Köln einige Niederlassungen hatte. Der war wohl benannt nach der Stadt Kassel, deren lat. Bezeichnung das genannte Wort ist. Neuerdings fand ich aber im Internet einen interessanten Bericht, der mir ziemlich plausibel erscheint. Ich zitiere: "Den Begriff "Kasalla" verwendet man in Köln und Umgebung gerne, wenn man jemandem "die Ohren lang ziehen" will oder stellvertretend für "Gleich setzts `was, Freundchen!". Es kann aber auch "Krawall" bedeuten oder ein anderes, typisch rheinisches Wort ersetzen: Wenn man mit ordentlich "Kasalla" seine Bassbox im Auto testet, dann gibt man ihr "Schmackes", dass die Rückscheibe aus der Dichtung fliegt. (...) Übrigens gibt es zu diesem Begriff noch eine wunderbare Anekdote: Demnach geht das Wort auf die unseligen Zeiten zurück, als die Lehrer in der Schule ihre unfolgsamen Anbefohlenen noch äußerst handgreiflich auf den Pfad der Tugend zwingen konnten. Zu diesem Zweck wurden die armen Opfer oft bäuchlings über ihren Tisch gelegt, um dem Lehrer die Verabreichung der Tracht Prügel auf den Hintern zu ermöglichen. Und was sahen die bedauernswerten Delinquenten direkt vor ihrer Nase, wenn sie kopfüber unter der Tischkante hingen? Ein kleines, dreieckiges Messingschild mit der Aufschrift "Casala". Das war der Name der Firma, die über lange Jahre einer der Hauptlieferanten für Schulmöbel im Rheinland war. Das Kunstwort ist aus den Initialen des Firmenbesitzers "Carl Sasse" und der Produktionsstätte Lauenau zusammengesetzt. So haben also Generationen von Schülern ein unschuldiges Firmenlogo zum rheinischen Synonym für die Prügel oder eine Abreibung gemacht." (Quelle: www.kasalla-textil.de) Wenn sich diese Erzählung verifizieren ließe (Lauenau, Firma, Logo...), scheint es mir eine ziemlich passende Erklärung zu sein. Dann könnte man sicher die Herkunft des Wortes historisch genauer eingrenzen, wenn man die Geschichte der genannten Firma erforscht. Also

07.02.2007, 13:21 Uhr
Michael Mühr
Rösrath/Köln
"Casalla" kenn ich aus der Schulzeit (70er Jahre) auch als "Prügel, Kloppe". Aber es war auch der Hersteller unserer Schulpulte, vielleicht daher...?


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