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Kall

Kalle, Dachkalle Abwasserinne, auch Dachrinne Unsere Dachkalle is verstopft. Der hat schon drei Kallen geworfen (sagt man beim Kegeln).
Kalle für Dachrinne sagt man fast im ganzen Rheinland (wo man eben nicht Kandel sagt). Ein kölnisches Wort ist der Kallendresser (Dachrinnenscheisser), eine Figur an einem Haus am Altermarkt in Köln. Die Wortlegende geht so: In frühren Zeiten haben die auf dem Dach arbeitenden Dachdecker ihre Notdurft in der Kalle verrichtet, um sich den mühseligen Abstieg zu ersparen.

Bearbeiter: Dr. Rolf-Dieter Asper (Kerpen), Karl-Heinz Winschuh (Duisburg), Siegfried Voß (Köln)


Kommentare

08.08.2017, 13:23 Uhr
Christoph Iven
Rösrath
M.W. verweist der Kallendresser darauf, dass es zu Zeiten, als es noch keine Toiletten in den Häusern gab, üblich war, die Nachttöpfe aus dem Dachfenster zu entleeren oder den Hintern gleich zum Dachfenster herauszustrecken.

11.08.2017, 15:47 Uhr
Redakteur:

Da haben Sie recht. Die Kölner erzählen nur gerne diese Legende wegen der berühmten Figur von Ewald Matere am Alter Markt.

Gruß P. H.

04.10.2008, 18:20 Uhr
Claudia Böhmer
Mechernich, Eifel
Nachtrag: Diese Satz ist deshalb so belustigend, weil es im Eifeler Platt keine Vergangenheitsform gibt. Es kommt überall ein "je" vor das Verb: Ett hätt jeräänt, die Kalle hann et net mieh jepack. Räänte und Pooken ist weder Platt, noch Hochdeutsch - diese Worte gibt es einfach nicht.

02.10.2008, 17:05 Uhr
Claudia Böhmer
Mechernich, Eifel
Hier ein typischer Satz: "Es räänte und räänte, bis daß die Kallen es nicht mehr pooken" - Es regnete ununterbrochen, sodaß die Regenrinnen es nicht mehr schafften. Wir Eifeler belustigen uns selbst darüber, daß dies (und noch einige andere Beispiele) die Gratwanderung zwischen Eifeler Platt und dem Versuch, halbwegs hochdeutsch zu reden, schön dokumentieren kann.

26.02.2007, 14:28 Uhr
Hans Dekker
Grevenbroich/Hemmerden
Bei uns sind (Kall) Kalle offene Wasseraflüsse für Regen- oder Schmutzwasser, ebenerdig. Am Dach eher Ränne oder Renne.

23.02.2007, 09:56 Uhr
Michael Mühr
Rösrath/Köln
Die "Kall" steht eigentzlich für jede Art von Rinne, insbesondere für die neben der Kegelbahn: "Jetz han ich ald drei Kalle jeworfe." (kostet eine Runde). Oder auch für die Gosse. So wird der "Kallendresser" zum Gossenscheißer, also ein Wesen der untersten sozialen Kategorie, der nicht mal ein eigenes -> Klo zuhause hat.


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