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Krat

Kraat ist je nach Region eine zänkische Frau, ein Mann oder je nach dem Meine Güte wat biste denn so grantig? Du benimmst dich ja beinah wie en Kölsche Kraat! In Köln jedenfalls sind Kraden geschlechtsunabhängig "die Unterschicht" - Leute mit wenig Geld, wenig Bildung, ohne Benimm, die in schlechten Wohnverhältnissen leben, auf die man herabschaut In bestimmten Stadtteilen wohnen nur Kraade. Es gibt sie aber auch anderswo: Watte als Deutsche in Mallorca für Landsleute erlebs, boh nee, da ham se am Strand gesoffen un gehaust wie die Kraden. (Siehe Kommentare).

Bearbeiter: Hans Dekker (Grevenbroich), Claudia Böhmer (Mechernich), Karl-Peter Herbst (Bonn), Purodha Blissenbach (Köln), Elisabeth van Langen (Köln), Christoph Iven (Rösrath)


Kommentare

13.12.2017, 20:42 Uhr
Olli
Köln
Meines Wissens, überbracht durch Großeltern und deren Generationen, sind in Köln damit Menschen gemeint, die zu dem stehen, was sie sagen. Unabhängig von Unter-, Mittel- oder Oberschicht. Menschen, denen man vertraut. Den negativen Beigeschmack dadurch gewonnen, dass man versucht, diese "Kraade" zu verschaukeln und diese infolgedessen ungemütlich wurden. "Was bist du denn für ne Kraat"?

08.08.2017, 12:16 Uhr
Christoph Iven
Rösrath
ich würde Kraad schreiben, pl. Kraade. M.W. ist die Grundbedeutung "Kröte". In Bergisch Gladbach gibt es den Ortsteil Gronau-Kradepohl (Krötenpfuhl). Im übertragenen Sinn ist (kölsche) Kraade ein böses Schimpfwort für die absolute Unterschicht (noch schlimmer als Prümme). In bestimmten Stadtteilen (sozialen Brennpunkten) wohnen nur Kraade.

11.02.2014, 09:46 Uhr
Elisabeth van Langen
Köln
Ne echte Kölsche Kraat ist einerseits ein "Schimpfwort", anderseits ist der Kölner stloz darauf. Gemeint ist eine Person (meist weiblich), die redet wie ihr der Schnabel gewachsen ist und auch nicht vor einer verbalen Auseinandersetzung zurückschreckt. Kölns bekannteste weibliche Kraat, war die Marktfrau Marita Eul, die jeden Tag auf dem Nippeser Markt stand und sich zu einem Original gemausert hatte. Heute lebt Marita Eul auf Gran Canaria und kommt regelmäßig zurück in ihr Veedel, besonders zu Karneval. Ne echte Kölsche Kraat halt.

Ebenfalls verbinden wir heute den Verein "Kölsche Kraat e.V." mit diesem Wort. Gegründet vom Singenden Türsteher Ramon, der auch bekannt ist als Koch aus der Serie "Unter uns" und aus "Achtung Kontrolle".  Der Verein unterstützt vor allem Kinder aus sozialschwachen Familien.

28.04.2010, 11:48 Uhr
Herbst K.-P.
Bonn
Vielleicht haben wir endlich den kleinen Krat oder Kraat gefunden, der sich dann Krott oder dat Kröttche´ nennt und in meinem Sprachgebrauch immer männlich ist. Die Ähnlichkeit mit Kröt, Krot, Kröten, wie man dé Pänz auch nannte ist auffallend und dann auch wieder weiblich.

09.12.2009, 12:18 Uhr
Purodha Blissenbach
Köln
Kraden sind geschlechtsunabhängig "die Unterschicht" - Leute mit wenig Geld, wenig Bildung, ohne Benimm, die in schlechten Wohnverhältnissen leben, auf die man herabschaut. Es gibt sie aber auch anderswo: Watte als Deutsche in Mallorca für Landsleute erlebs, boh nee, da ham se am Strand gesoffen un gehaust wie die Kraden.

Es gibt aber auch eine Entwicklung ähnlich der des Wortes "bad" im amerikanisch-englischen Slang, die Michael Jackson mit dem gleichnamigen Lied populär gemacht hat, hin zu einer positiven Ummünzung. So sagt oder singt - soweit ich mich erinnere Zeltinger - Esch ben ne Iehrefelder Kraat. Er ist stolz da drauf und das gewiß nicht als einziger.

09.12.2008, 13:57 Uhr
Claudia Böhmer
Mechernich, Eifel
Der Begriff "Kraat" beschränkt sich meines Wissens nach nicht auf Frauen. Es heißt bei uns allerdings eher :"Meine Güte watt biste denn so grantig (aggressiv) ? Du benimmst Dich ja beinah wie en Kölsche Kraat!"

22.05.2008, 14:27 Uhr
Herbst Karl-Peter
Bonn
De´Krat kenne ich nur als leicht negativen Begriff für einen jungen Mann. Die Krat ist mir als Ur-Bonner vollkommen ungeläufig.


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