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Kruse Bäumchen

in der Wendung am krusen Bäumchen vorbei sein es geschafft haben, außer Gefahr sein Der is noch lange nich am Kruse Bäumchen vorbei.
Siehe auch Schmitz Backes, das Kruse Bäumchen ist die eher nördliche Variante dieser Wendung.

Bearbeiter: Jürgen Posth (Duisburg), Peter Erdmann (Essen)


Kommentare

05.04.2014, 10:15 Uhr
rosanna
essen
Damals in den 60ern
meine Oma,

sonst,eine immer gut gelaunte, liebe Frau
 ,sagte etwas verärgert ,

 "Wir sind noch lange nicht am krausen Bäumchen"


Da hab ich dann gefragt was das heißt,
Sie hat mir erklärt
dass die Menschen sich in früheren Zeiten dort melden mussten
und der Weg war sehr weit

ich denke also dass es in frühren Jahrhunderten ;
dort eine amtliche;oder kirchliche Melde- Stelle gegeben haben muss ?
wer kann dazu was sagen?

die Eltern  meiner Oma  waren
Grenze Mühlheim /Essen geboren
und aufgewachsen

07.04.2014, 16:04 Uhr
Redakteur:

  • Hallo , hier mal als Antwort auf Ihre Frage ein Beitrag, den ich vor einigen Jahren geschrieben habe. Gruß P. Honnen

Am krusen Bäumchen

Die Sprache im Pott überrascht ein über das andere Mal. So hat sich in der Alltagssprache dieses städtischen Ballungsraumes, der schon lange eine „mundartfreie Zone“ ist, eine Redewendung gehalten, die sich nur in den alten Dialekten des Westmünsterlandes und des nördlichen Rheinlands wieder findet. Du bis noch lang nich überm krausen Bäumchen oder Wir sind nonnich am krusen Bäumchen sagt man z.B. in Essen oder Bochum, wenn man warnend darauf hinweisen will, dass eine schlimme Sache noch lange nicht ausgestanden ist oder ein möglicher Erfolg einer Bemühung noch in weiter Ferne liegt. 

Alte Mundartsprecher aus Dortmund kennen eine Bedeutungsvariante. Wenn man von einem vermeintlichen Glückpilz sagt: Hä es noch nit am kruusen Bömken, dann will man - vielleicht aus Neid und Missgunst - andeuten, dass noch lange nicht aller Tage Abend ist. Im Münsterländischen erinnert man mit dem Spruch Se kommt alle wall an’t kruuse Böömken sogar an die Endlichkeit aller Dinge und den unausweichlichen Tod. Damit bekommt die Wendung einen gefährlichen Unterton, der auch in seinem südrheinländischen Pendant noch nicht an Schmitz Backes vorbei sein (siehe dort) zu vernehmen ist. Diese unterschwellige Drohung war es wohl, die viele RheinländerInnen beim kruse Bäumchen oder Kruseboom, wie er auch heißen kann, etwas sehr Gefährliches vermuten lässt.

Was aber ist an einem krusen, also krausen Bäumchen so bedrohlich? Da ein Baum an sich kaum gefährlich sein kann, muss es wohl die Stelle sein, an der er wächst. Nun sind im Rheinland krause Bäume in früheren Zeiten gar nicht so selten gewesen. Es waren in der Regel weithin sichtbare und allein stehende Bäume, die oft als Grenzbezeichnungen dienten. Ihren Namen erhielten sie wegen ihrer - es handelte sich meist um Linden oder Ulmen - dicht verwachsenen Kronen. Manchmal standen sie auch an Wege- und Straßenkreuzungen und schützten ein Wegekreuz, ein Kruzifix oder sogar, wie in Kevelaer, einen Kalvarienberg. Diese Exemplare hießen dann im Dialekt Kruze- oder Krüssboom (Kreuzbaum). Beide Bezeichnungen sind später offensichtlich nicht mehr zu trennen gewesen.

Verständlicherweise sind viele dieser Markierungen im Laufe der Zeit zu Flurnamen geworden. Noch heute findet man im Rheinland Straßennamen, Flurbezeichnungen oder Wegekreuzungen, die Krausebaum, Am Krausen Bäumchen oder Kruse Bömken heißen, so in Essen-Bergerhausen, in Krefeld, Angermund, Wittlaer, Köln-Wahn und Willich. Dies reichte vielen RheinländerInnen aber offensichtlich nicht aus, um die Redewendung Du bis noch nicht am kruse Bäumchen vorbei, zu rechtfertigen: Es musste mehr dahinter stecken, um den bedrohlichen Unterton zu erklären. Und so entstanden an mehreren Orten im Rheinland verwandte Legenden von der unheilvollen Bedeutung der krusen Bäume. In Angermund wurden beispielsweise die verurteilten Verbrecher auf dem Weg zur Richtstätte am krausen Baum vorbei geführt. In Erkelenz war der Baum gar selbst der Ort für eine Hinrichtung. In Essen vermutet man Am Krausen Bäumchen dagegen eine Gerichtsgrenze, deren Überwindung den Verfolgten erst einmal Schutz vor ihren Häschern bot.

Wie  in allen Fällen, in denen Redewendungen auf konkrete Ereignisse, Orte oder Personen bezogen werden, wird wohl auch hier nicht mehr zu klären sein, ob diese Geschichten einen wahren Kern bergen; lokalisierbar dürfte er auf jeden Fall nicht mehr sein. In Köln-Wahn, wo ein ganz besonders beeindruckender Krausbaum gestanden hat, erzählte man sich übrigens ganz andere Geschichten. Hier galt er als „Kinderbaum“, „Storchenbaum“ oder „Lebensbaum“, weil die Mütter und Großmütter in seiner Umgebung ihren staunenden Kindern und Enkeln erzählten, dass sich in der gewaltigen Krone des Krausbaums ein Kindernest befinde, aus dem die Störche die kleinen Kinder holten und zu den Familien brachten. Auf einem in Wahn weitverbreiteten Foto wurden deshalb auch junge Frauen gezeigt, die unter dem Baum ein großes Tuch aufspannen, um eventuell herausfallende Kinder aufzufangen. Außerdem sollen sich früher junge Frauen bei Sonnenuntergang auf die Bank unter der Ulme gesetzt haben, wenn sie sich viele Kinder wünschten. Aber das mag schon wieder in das Reich der Legenden verweisen. 

Breidenbach 170;  Dittmaier Flurnamen 166; Fellsches Es S. 11; Hackland 1904; Piirainen/Elling 526; RhWb IV 1423; Schleef 20; Schmitz1984 37; Sprick 62; Assenmacher 1990, S. 12; Wenzke 79

 

 

 

 

 

 

 

20.02.2014, 17:59 Uhr
mj
Koblenz
krusen: steinhaft oder standhaft, kann positiv und negativ eingesetzt werden, auch starr und unverrückbar, aber auch 'immer da'

kruse Gedanken, sind die, die immer wiederkehren.
ein kruses Leben, ein 'altmodisches' Leben
"kruse Sinne" aber sind Gedanken und Gefühle, die nicht von einem selber kommen

17.02.2013, 19:48 Uhr
Peter Erdmann
Essen
Wenn ich am Krausen Bäumchen bin bedeutet ich habe es geschafft.

Früher war das Krause Bäumchen die Grenze zwischen dem Stift Essen und Rellinghausen.
Wenn ich also am Krausen Bäumchen war, befand ich mich ausserhalb der Gerichtsbarkeit des Stiftes Essen.

20.04.2009, 11:06 Uhr
Holger Lambrecht
Duisburg
Kreuzbaum: eher unscheinbare Bäume, die man als Grenzmarkierungen festgelegt hatte, wurden zur gegenseitigen Absicherung mit Einschnitten, besonderen Zeichen (z. B. ein Kreuz bzw. ein lateinisches X) versehen. Diese Bäume nannte man auch Mal-, Loch- oder Kreuzbäume. (Loch; mhd. lâche = Einritzung).

08.11.2008, 09:43 Uhr
Kirsten Klaessen
Wesel
Diese Redewendung hat tatsächlich etwas mit der Haltestelle "Am krausen Bäumchen" zu tun: sie war wohl etwas abgelegen; daher hatte man es erst geschafft, wenn man diese Haltestelle passiert hatte...

12.04.2007, 21:00 Uhr
Ralf Joerres
Essen
In Essen Bergerhausen gib's ein Straße 'Am krausen Bäumchen' - keene Ahnung, ob's was damit zu tun hat.


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