LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
Logo LVR


Vorheriges Stichwort: Grillaschtorte   Nächstes Stichwort: Grissel

 

gripschen

gribschen im Bergischen Land und in Düseldorf gehen die Kinder zu St. Martin gripschen, sie singen an den Haustüren und erbitten damit Süßigkeiten. Früher gab es zu diesem Anlass spezielle Gripschlieder.
In den rheinischen Mundarten steht gripschen eigentlich für "raffen, schnell greifen", sogar für "stehlen". Deshalb nennt man Handtaschen- und Smartphoneräuber neuerdings auch Gripscher.

Bearbeiter: Krell (Düsseldorf), Wolfgang Stöhr (Düsseldorf/Lüneburg), Yvonne Welling (Dormagen), Bernhard Piepel (Nieder-Olm), Purodha Blissenbach (Krefeld)


Kommentare

24.01.2016, 20:13 Uhr
Purodha Blissenbach
Köln
Es gibt auch den Gripscher - eine Art Räuber von Taschen oder Portomanaies und neuerdings Hendis - Hält jemand so ein Teil in der Hand, kommt der Gripscher mit hohem Tempo, reißt es an sich und verschwindet schnellstens in der Menge oder um die nächste Ecke oder hinter etwas Hohem, wo das Diebesgut sofort an einen Komplizen übergeben wird.

05.11.2015, 13:06 Uhr
Bernhard Piepel
Nieder-Olm
In Monheim am Rhein sangen wir nicht nur zum örtlichen Sankt-Martinszug, sondern auch beim Gripschen "Ich geh mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir. Dort oben leuchten die Sterne und unten leuchten wir. Mein Licht geht aus, wir gehen nach Haus. Rabimmel, rabammel rabumm, bumm, bumm". Herr Stöhr: Fehlt nicht die Zeile "selig soll er sterben"? So wurde in Monheim gesungen: "Hier wohnt ein reicher Mann, der uns Vieles geben kann. Lang soll er leben, Vieles soll er geben, selig soll er sterben, das Himmelsreich erwerben."

17.10.2014, 01:32 Uhr
Ulrich Kraus
Düsseldorf
Ich bin vor Jahren aus Oberbayern nach Düsseldorf gezogen und war verwundert, das Gripschen hier an St. Martin zu finden. Ich bin auch in Bayern mit vielen Martinsumzügen großgeworden; mit z.T. anderen Liedern, aber sonst ähnlich. Allerdings - gegripscht wird bei uns nicht an St. Martin, sondern um den Dreikönigstag herum, allerdings nur von den Sternsingern, die als Hl. Drei Könige verkleidet um die Häuser ziehen. Bei meinen Großeltern in Böhmen gripschten die Kindern an Ostern. Die Bezeichnungen sind dafür aber andere.

Vielleicht kann mir jemand mit meiner Frage zur korrekten Aussprache helfen - wird gripschen mit langem (griepschen) oder kurzem i (grippschen) gesprochen? Ich höre hier beides.

05.11.2013, 18:52 Uhr
Wolfgang Stöhr
Lüneburg
Als alter Düsseldorfer (Oberkasseler) erinnere ich mich sehr gerne an den Martinstag. Hier ist das leider gar kein Thema.
Ende der 50er bis Abfang der 60er war das eine der schönsten Zeiten im Jahr. Laterne basteln; Vorfreude; großer Laternenumzug, natürlich mit St. Martin auf einem Pferd und guter Musikkapelle; danach zu "Engemann" in Niederkassel, die Martinstüte abholen, und dann natürlich gripschen gehen.
Das Lied, das wir in Oberkassel damals vor den Türen gesungen haben, ging so:
"Hier wohnt ein  reicher Mann, der uns Vieles geben kann.
Vieles soll er geben, lange soll er leben,
das Himmelsreich erwerben.
Kriegen wir nichts vom reichen Mann,
hauen wir in die Kokospann."
Und dann wieder von vorn, bis jemand aufmachte. Die Melodie ist wunderschön.
Ich denke sehr gerne daran zurück.

05.11.2012, 11:43 Uhr
Scha
Sterkrade

In Oberhausen-Sterkrade klingelten in alte Kleider geschlüpfte Kinder um 1950 an den Türen und bettelten mit dem Lied: "Ich bin der kleine König,/ gebt mir nicht zu wenig,/ gebt mir nicht zu viel/ mit dem Besenstiel./ Von hier bis nach Essen,/ da gibt es was zu fressen,/ von hier bis nach Amsterdam,/ da gibt es feine Butterramm. - Eins, zwei, drei,/ 'ne Mettwurst oder 'n Ei/ 'ne Mettwurst oder 'ne Leberwurst,/ das ist mir einerlei." -- Wenn es nichts gab riefen sie beim Weglaufen: "Gizhals, Gizhals". 

Das Ganze wurde natürlich niederrheinisch gesungen. Die Melodie ähnlich wie der Abzählreim: Eins, zwei, drei, vier, Eckstein, alles muss versteckt sein ............ Meiner Erinnerung nach war das jedes Jahr am Dreikönigstag.

24.10.2008, 09:13 Uhr
Gerd
München
Als geborener Düsseldorfer kann ich hier noch unser Schmählied beitragen, das wir laut vernehmbar gesungen haben, wenn die Tür eines Hauses nicht geöffnet wurde: "Dat Hus, dat steht up enem Pin, der Jitzhals der sitzt mitten drin! Jitzhals, Jitzhals, Jitzhals!!!"

13.12.2007, 16:01 Uhr
Purodha Blissenbach
Köln
In Köln gehen die Pänz auf Martin kötten, das ist ziemlich ähnlich, hat aber statt des Raffens eher den Aspekt des nachdrücklichen Bittens bis hin zum Risiko, lästig zu fallen. Auch dafür gibt es extra Köttlieder. Kriegen sie irgendwo nix, dann wird der Knieskopp (Geizige) ausgerufen (sehr laut vernehmlich, vielstimmig als solcher dargestellt und mglw. beschimpft, d.h. die Nachbarn kriegen das auf alle Fälle mit - wer will das schon?)

14.07.2007, 22:22 Uhr
Ralf Joerres
Essen
Vgl. das berühmte Mülheimer (M. a.d. Ruhr) Martinslied: "Ssinter Mätes Vöögelsche heet ssu"n roat Kapöögelsche, cheflooge, chestoowe wiet, wiet ööwer dä Rhien," Als wir nach Essen umzogen, war ich ziemlich überrascht, dass da an Karneval gesungen wurde, mit einem leicht angepassten Text à la Gudrun aus Langenberg.

07.07.2007, 23:21 Uhr
gudrun
velbert-langenberg
wir sangen nicht zu st.martin, sondern verkleidet am rosenmontag<.

ich bin ein kleiner könig, gibmir nicht zuwenig,
gib mir nicht zuviel - mit dem besenstiel.
von hier bis nach essen, da kriegn wer was zu fressen
von hier bis nach blankenstein, da haun wer alle
pötte ein.
lass uns nicht zu lange stehn, wir wolln noch n häuschen weitergehn!


Wortartikel kommentieren

Haben Sie Ergänzungen zu diesem Wort? Kennen Sie andere Bedeutungen? Oder typische Sätze? Vielleicht gibt es das Wort in Ihrem Wohnort gar nicht? Schreiben Sie uns. Werden Sie Mitarbeiter an diesem Wörterbuch. Ihre Kommentare, Kritik oder Ergänzungen gehen sofort online!

Werden Sie Wörterbuchautor! Wenn Sie Ihren Namen und Wohnort angeben, werden Sie in die ewige Autorenliste aufgenommen. Sie können aber auch anonym bleiben, dann geben Sie bitte nur die Region an, für die Ihr Kommentar gilt.

Ach so: Dass Sie die Grundrechenarten beherrschen, bezweifeln wir natürlich nicht. Aber da das Wörterbuch sonst mit automatischen Werbemails (Spams) überflutet würde, haben wir diesen zwar etwas seltsamen, aber wirksamen Schutz unterhalb der Eingabemaske eingebaut.

Autor:
Ort:



Spamabwehr: Wieviel ist 3 plus 4?