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kriegen

kriegen findet sich der rheinischen Umgangssprache in den unterschiedlichsten und phantasievollsten Verwendungen: Der kricht den Hals nich voll. Ich krich die Krise! Wenn ich seh, wie der Jung auf dem Geländer balanciert, da krieg ich zu viel. Ich könnte zu viel kriegen, wenn ich den schon sehe, den Blödmann. Wenn ich son Scheißdreck hör, dann krieg ich zu viel (nervös, aufgeregt werden). kriegen wird auch statt "holen" oder "nehmen" verwendet: Krich ma eben den Besen und fech dat weg! Krich dir ruich ma noch en Bonbon aus de Dose, Jung! Krich dir noch en paar Kartoffeln, sons wirste nich satt, woll! Beim Einkauf in der Bäckerei: Ich kriege fünf Brötchen, von wann sinn die? Und ein Pfund Schwarzbrot... ja, und dann kriech ich noch einen Weck, nein, ich kriege da den dunklen!... und das kleine Männlein im Kinderwagen kricht noch ein Brötchen auf die Hand...Dat wär et dann...! Nochmal eine Frau zum Bäcker: Ich krich en Graubrot! - Bäcker: Da wird sich die Hebamme aber wundern. kriegen kann auch im Sinne von "erreichen" gebraucht werden Wir haben den Zuch nich gekricht. Ein Ausdruck der Überraschung ist Wat, die kricht en Kind, ich glaub, mich kriegen se! Als der mit sein Gipsbein im Bett lag, hab ich den endlich ma ant lesen gekricht. Statt zu viel kriegen kann man auch Zustände kriegen Ich krich jetz Hartz vierIn dem Laden krichsde nix, watte nich krichst. (bekommen) Da krich ich alles (im Sinne von "Das ist unfassbar"). Mach, datte gegessen kriss, sonst verpassen wir den Bus (sich beeilen) Dich krieg ich noch, pass ma auf (bekommen, erwischen). Du kriss Weihnachten en Fußball. Krisse Prügel zu HauseIch krich se, wenn ich zu spät nach Hause komme (Prügel bekommen). Getz krisse se abber (Ankündigung von Prügel). "Kriegen" spielten wir früher auf dem Schullhof (fangen). Ich krich se geschwatt bedeutet im Bergischen Land "Prügel beziehen". kriegen auch für "in den Arm nehmen" Un wie se so am heulen war, da krich ich se und hab se getröstet, un et war wieder gut. Krisset? bedeutet im nördlichen Rheinland soviel wie: Kriegst du es hin? Gelingt es dir? Krisset oder nich? dabeikriegen jemanden betrügen So viel Geld für so ne alte Karre? Da haben se dich aber ordentlich dabeigekricht. (da)für kriegen Da krisse keinen Pfennich fürdurchkriegen Den Heinz haben se grad nochmal durchgekriegt. (aus einer lebensgefährlichen Krankheit gerettet) mitkriegen erben Ich hab fast nix sonst mitgekricht, nur son altes Serviceeinkriegen oder eher sich nich mehr einkriegen sich (unheimlich) aufregen oder sich (fast) nicht mehr beruhigen können Boah, der hat gelacht! Der hat sich ganich mehr eingekricht! Krich Dich ma wieder ein! So schlimm is dat aunich! abkriegen Krisse vom Gewinn was ab? (einen Anteil bekommen). Hasde wat von dem Regen abgekricht? aufkriegen Ich krich doch die Dose nicht auf.... runterkriegen Die Suppe war so salzig, die hab ich kaum runtergekricht. (nur mit Widerwillen gegessen). etwas kapputt kriegen zerstören Wenn Du dat kapputt krichs, krichs De kein Neues von mir! etwas Kleines kriegen schwanger sein Unsere Schwiegertochter kriegt wieder wat Kleines. einen Affen kriegen sagt man, wenn man Aufregung oder Unmut empfindet; etwas rauskriegen ein Geheimnis entdecken, ein Rätsel lösen Brauchste gar nicht so geheimnisvoll tun, ich krich dat sowieso raus! zukriegen in der Wendung die Tür nich zu kriegen Ausruf der Überraschung oder des Erstaunens Ach du kriss die Tür nich zu, die is schon widder schwanger. Dat gibbet doch nich, ich glaub, ich krich die Tür nich zu! rumkriegen überreden oder überzeugen Wenne den Pappa rumkrichs, datter da hingeht, dann kommt de Mamma auch mit. Hasse die Alte gestern noch rumgekricht? (zum Geschlechtsverkehr überreden). Ich weiß gar nich, wie ich die Zeit bis zum Urlaub rumkriegen soll (die Zeit vertreiben). dabeikriegen als Zugabe erhalten Weil ich so brav war, habbich beim Bäcker noch ein Mohn dabeijekricht, jetz hammer also sieben Brötchen statt sechs! durchkriegen retten, eine Bewilligung erhalten Ob wer dat Auto wohl noch mal durchkriegen beim TÜV? Der hat mit 58 schon seine Rente durchjekricht. Ob wir die Kleinen Katzen durchkriegen, weiß ich nich. unterkriegen in der Wendung sich nicht unterkriegen lassen nicht verzweifeln, nicht aufgeben Wir lassen uns nicht unterkriegen. reinkriegen in der Wendung Hammer nit, hatte mer nie, kriejen mer auch nit mehr rein, bedeutet einfach: Ausverkauft; aber auch Die haben fünf Stück reingekricht (Tore eingefangen) beim Fußball). Zum Schluss ein Kalauer aus dem Ruhrgbiet Warum heißt dat Chrisskind Chrisskind? Weil de auch dies Jahr widder orntlich wat ihm kriss!

Bearbeiter: Peter Honnen, Willi Will (Hamminkeln), Marko Jansen (Köln), G. (Velbert), Henriett Reiß (Moers), Michael Mühr (Rösrath), Christel Lössl (Pulheim), Purodha Blissenbach (Köln), Wolfgang Allhorn (Duisburg), Andrea Meyer (Köln/Münster), Hartmut Weißmann (Bochum), A. (Dinslaken), Ludger Schmitz (Kevelaer), Andre Ritter (Krefeld)


Kommentare

14.03.2017, 20:27 Uhr
Andre Ritter
a a d W
"reinkriegen in der Wendung Hammer nit, hatte mer nie, kriejen mer auch nit mehr rein, bedeutet einfach: Ausverkauft; aber auch Die haben fünf Stück reingekricht (Tore eingefangen) beim Fußball)."
auch gängig in der Bedeutung "eins in die Fresse kriegen"
"Von dem Türsteher hab ich echt eine reingekricht!"
"Halt´s Maul oder du krichst gleich eine rein von mir!"

20.01.2016, 18:23 Uhr
Purodha Blissenbach
Köln
Wat an sich kriegen - sich aufregen, eine Wut kriegen, in Wallung oder Rage geraten.
Ich krich regelmäßich wat an mich, wennich die neun Ansaang in de Busse hör, die von Automatn, di bald jede Haltestelle verkehrt aussprechn.

09.06.2014, 18:23 Uhr
Peter
Dortmund
..., woll!
Ist sauerländisch, nicht rheinisch.

10.06.2014, 15:57 Uhr
redakteur: Hört man aber im Ruhrgebiet auch, und auch in Radevormwald z.B. Die Grenzen sind da fließend. Aber "im Prinzip" haben Sie Recht.

12.06.2013, 19:18 Uhr
henriett reiß
ohne Ort
Boah, soviel mit "kriegen"" - ich krich die Krise! ;-)

14.04.2013, 11:25 Uhr
Ludger Schmitz
Kevelaer
Ich krich dat nich mehr zusammen, wat der mir da alles erzählt hat! - Ich kann mich nicht mehr an jede Einzelheit und auch nicht mehr an den Zusammenhang erinnern. Das war zuviel.

11.05.2012, 20:44 Uhr
Gudrun
velbert-langenberg
sich in die Haare kriegen-sich heftig streiten

27.04.2012, 16:54 Uhr
ohne Name
47661 Sevelen
zukriegen: "Hasse beim Bäcker wat zugekricht?"  z.B. ein Gratisbrötchen


dabeikriegen: "Da hat der dich aber ganz schön dabeigekricht!"  im Sinne von übervorteilt

25.01.2010, 13:05 Uhr
Herbst K.-P.
Bonn
Ich; krie/ du; kriss/ er,sie,es(et); kritt/ hät et jekräje, jekrischt, wir(mer); krie/ ihr(ühr); kritt/ sie(se); krie. Das haben wir wahrscheinlich über die Rheinschiene aus den Niederlanden ge- krijgt aber! sogar der Sachse als Hinterländler hats gegrischd!

15.05.2007, 19:49 Uhr
erwin
Bad Münstereifel
kreie Dat kreie meh net mieh. Das kriegen wir nicht mehr.


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