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krosen

auch krösen kramen, herummachen, einer wenig sinnvollen Beschäftigung nachgehen Wo is der Vatter? Der is ma wieder im Keller am krosen. Wat bisse am krösen, kannsde nich ma ins Bett jehn. Auch herumkrosen Wat krost du da eigentlich die ganze Zeit im Garten herum? verkrosen verlegen, verkramen ich hab ma wieder meinen Pass verkrost. Wo hass den Autoschlüssel verkröst? Auch als Substantiv Kros, Kroos Unordnung, Durcheinander Ich muss noch den ganzen Kros aufräumen. In dem Kros findet man nix. In Köln und im südlichen Rheinland kann Kroos auch einen Vorgang (und sein Ergebnis) benennen, für den es keine standarddeutsche Entsprechung gibt: ein Räumen, Umordnen, oder eine Unordnung oder etwas schlecht Geordnetes. Och de Mutter is grad ene Kroos am halde em Fottokasten (Fotos sortieren). krosig unordentlich Das ist aber sehr krosig hier. Ein Krösken, Krösje oder Kröschen ist Düsseldorf und Umgebung ein Techtelmechtel oder eine Liebschaft: Die hat immer ein Kröschen am laufen. Der Jung hat en Kröösken mit dem Mädchen von nebenan. Haste gehört, die hat en Krösken mit ihrem Scheff.
Siehe auch kruscheln.

Bearbeiter: Peter Honnen, Elisabeth Fritzen, Michael Ahrendt (Aachen), Ines Kaldewey (Dinslaken), Delia Faust-Röder (Wesel), Gabriele Seyl (Berlin), Purodha Blissenbach (Köln), Renate Desplanque (Düsseldorf), Michael Julius Schwarz (Wuppertal), Oliver Seyfert (Wuppertal), Wilfried Gierling (Baumberg)


Kommentare

04.01.2014, 22:31 Uhr
S.F.
Viersen
In Viersen wird es eher "kroasen" ausgesprochen.

21.03.2012, 13:52 Uhr
JP
Wuppertal/Barmen
Meine Theorie zum Wortursprung: Es kommt vom Gekröse, dieses Steht Umgangssprachlich ja für Innereien und da die innereien, besonders der Darm, ein einziges Drunter und drübernsind wurde es zum Verb umfunktioniert und so hat sich das krosen entwickelt.

04.11.2008, 09:06 Uhr
kbe
Düsseldorf
Meine Theorie: Der Ursprung liegt im Französischen: creuser = buddeln, graben

31.01.2007, 17:31 Uhr
Michael Julius Schwarz
Wuppertal-Elberfeld
Krosen mit langem offenem "oh" gesprochen, auch gerne "rumkrosen", "verkrosen". "Kros" (Substantiv); Beispiel: "Ich muss noch den ganzen Kros aufräumen". "Das Teil hab ich leider verkrost". Adjektiv: Krosig ("das ist aber sehr krosig hier").

31.01.2007, 12:40 Uhr
Purodha Blissenbach
Krefeld und Köln
In Krefeld sagt man "kroese(n)" das o is offen, halblang, das e is ein Schwa. "Krösken" muß Bergisch/Nordbergisch vielleicht auch Ostbergisch sein, kennt man in Köln nicht, würde man missverstehen als entweder "(vergebliche) Such/Räumaktion" oder die Aktion, beim Kramen etwas zu "verschmeißen", was vorher "da wa" und bestimmt nicht als "Fisternöll". "Krösjen" wäre wohl dito bis ~Leverkusen, und "Kröß(s)chen" kommt mir vor, wie krampfhaftes Hochdeutschschpreschenwollen, á la "Oh ga, oh ga, der Gäger gagt." "Krooser(in)" ist eine Person, die immer am Rumkroosen (un nich He-~) is, ehr die Bude voll Zeuch hat, un nommaal ehr nix fint. Einen vielleicht schönen Hinweis für den Begriff: in seiner weiblichen Form kommt er in Böll: "Ende einer Dienstfahrt" vor. Genauen Ort weiß ich nicht. Siehe auch in http://de.wikipedia.org/wiki/Diglossie Abschnitt über Literatur und Film - falls da noch keiner dran rumgelöscht hat. Für Köln muß Kroose(n) mit doppel O geschrieben werden, weil der Vokal deutlich über normallang ist. (In Kölsch hat er einen Tonakzent, ist also etwas küzer - und ich würde drum op Kölsch schriive, "Dä kroohß unger_em Desch_eröm" - das sch hätte nen Bogen drunter wegen stimmhaft, wenn das hier ging - aber diese Eigenschaft verschwindet im Regiolekt) "Bogen drunter wegen stimmhaft" - Deutsch: "Bogen drunter wegen Stimmhaftigkeit" - Diese Verkürzung des Regiolekts gegenüber em Hochdeutschen, die in der Kölner Gegend weniger, im Ruhrpott imho oft vorkommt, kriegen wir mit nem reinen Wörterbuch nich dokumentiert, aber in Beispielsätzen unter. Meinem Vorredner/Schreiber muß ich wegen des offenen langen O widersprechen, in der Köln bis Eifeler Gegend kommt dieses Phonem häufig vor, ebenfalls im Selfkant, in Limburg (beiden) und, wenn ich meinen Ohren und meiner Erinnerung trauen darf, in der Wallonie. Es hat imho eine Entsprechung im Flämischen/Niederländischen, klingt aber da wieder etwas geschlossener, als im Rheinland.

30.01.2007, 20:28 Uhr
ohne Name
Essen/Düsseldorf
Das Wort krosen bildet eine Ausnahme. Das o ist offen wie in "noch" auszusprechen. Allerding wird das o dabei gedehnt. Nach meinem Wissen ist es das einzige Wort, bei dem das der Fall ist.


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