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Das Wörterbuch

 

Die Idee:

 

Die meisten Menschen sprechen im Alltag kein gestochenes Hochdeutsch, sondern eine mehr oder weniger ausgeprägte Umgangssprache. Sie kann durchaus noch nahe an der Standardsprache sein, oder auch erkennbare dialektale Einflüsse haben. Immer ist sie aber deutlich von der Hochsprache unterschieden, die man in der Regel nur in ganz bestimmten Situationen, etwa in der Schule oder beim Bewerbungsgespräch spricht.

 

Das ist im Rheinland nicht anders als in Bayern oder Berlin, auch wenn der Abstand zur Standardsprache jeweils größer oder kleiner ist. Auch in Aachen, Köln, Duisburg oder Kleve spricht man ein rheinisch gefärbtes Deutsch, das ein für Außenstehende deutlich erkennbares Identifikationsmerkmal ist. Nur ist die Umgangssprache, auch Regiolekt genannt, anders als die Hochsprache, keine geschriebene Sprache. Umgangssprache spricht man; niemand schreibt, wie er spricht. Deshalb weiß man über die Alltagssprache immer noch nicht genug, auch wenn sich die Sprachwissenschaftler des LVR-Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte seit Jahren intensiv darum bemühen, das zu ändern.

 

Das Problem ist: Über die Standardsprache kann man sich in vielfältigen Wörterbüchern informieren, die alle aus den Werken berühmter Dichter, aus Tageszeitungen oder Zeitschriften kompiliert sind. Umgangssprachliche Wörterbücher dagegen sind sehr selten, denn hier kann man keine schriftlichen Quellen auswerten, sondern ist auf die Sprecher selbst angewiesen. Kein Wunder, dass zum Beispiel alle großen regionalen Dialektwörterbücher wie das Rheinische oder Pfälzische, mehrere Jahrzehnte bis zu ihrer Vollendung gebraucht haben, weil man auf mühselige und aufwendige Fragebogenerhebungen angewiesen war.

 

Der Fortschritt der Technik - Internet und Datenbanken - bietet nun erstmals die Möglichkeit, die Sprecher und Sprecherinnen selbst zu Wort kommen zu lassen. Der kommunikative Austausch im Netz hat innerhalb von kurzer Zeit einen Umfang angenommen, der vor einigen Jahren noch nicht vorstellbar war. Foren, Blogs und Communities haben sich in Null-Komma-Nix ausgebreitet. Diese Vernetzung und der damit einhergehende Informationsaustausch müsste eigentlich auch für die Dokumentation der Umgangssprache nutzbar sein.

 


Das Projekt:

 

Es gibt im ganzen deutschsprachigen Raum bislang kein Wörterbuch einer regionalen Umgangssprache. Das soll, zumindest für das Rheinland, nun anders werden. Dieses Mitmachwörterbuch ist der erste Versuch einer umfassenden Dokumentation der hier gesprochenen Alltagssprache. Eine  Sprache, die hier fast jeder benutzt, die aber keiner vollständig kennt. Das Ziel ist durchaus ehrgeizig: Angestrebt wird die möglichst vollständige Bestandsaufnahme des umgangssprachlichen Wortschatzes.

 

Damit ein solches Vorhaben überhaupt gelingen kann, braucht es:

1. die Beteiligung möglichst viele Sprecherinnen und Sprecher,

2. eine Datenbank, die für alle zugänglich ist, die

3. leicht zu bedienen ist,

4. einen langen Atem

5. und eine Redaktion, die alle Einträge koordiniert.

 

Ein umgangssprachliches Wörterbuch kann niemand alleine stemmen. Wie schon beim "Wörterbuch der deutschen Umgangssprache" von Heinz Küpper, an dem viele Lehrer, ganz Schulklassen und hunderte von weiteren Zuträgern beiteiligt waren, lebt auch dieses regionale Wörterbuch von den Menschen im Rheinland, die an der Dokumentation ihrer eigenen Sprache interessiert sind. Ohne ihre Mitarbeit kann eine solche Dokumentation nicht gelingen. Die Umgangssprache ist nicht einheitlich, sie ist von Sprecher zu Sprecherin, von der Schülerin zum Renter, von Aachen nach Essen und von Bonn nach Emmerich durchaus verschieden. Ohne eine breite Basis von Unterstützern, Zuträgerinnen, Kritikern, Mitautorinnen und Sammlern aus allen Teilen des Rheinlands würde sich ein schiefes Bild der Alltagssprache ergeben.

 

Ein interaktives Wörterbuch muss leicht zugänglich und möglichst einfach zu bedienen sein. Die entsprechende Datenbank ist so eingerichtet, dass zu allen Einträgen des Wörterbuchs die Kommentare und Ergänzungen sofort, quasi ohne Verzögerung, online gehen. In einer getrennten Maske können neue Stichwörter oder sogar ganze Wortartikel eingegeben werden. Diese werden zeitnah von der Redaktion eingearbeitet. Das Besondere an diesem Wörterbuch ist, dass es auch wie ein Wörterbuch aussieht. Die Wortartikel werden nicht einzeln aufgerufen, sondern erscheinen fortlaufend, wie man es von einem Fremdwörterbuch oder auch dem Duden gewöhnt ist.

 

Das Wörterbuch der rheinischen Umgangssprache wird vielleicht nie abgeschlossen sein. Die Alltagssprache verändert sich schneller als die Standardsprache. Sie ist viel mehr Sprachmoden unterworfen, die ständig Änderungen im Wörterbuch erfordern werden. Eine lebendige Sprache erfordert eben ein lebendiges, sich anpassendes Wörterbuch.

 

Hinter allem steht die Redaktion. Die verpflichtet sich allerdings, kaum zensierend, sondern koordiniernd tätig zu sein. Sie wird den Beiträgen eine einheitliche Form geben und bei Zweifelsfällen klärend eingreifen.

 


Die Sprache:

 

Alltagssprache, Umgangssprache, Regiolekt: Was ist damit eigentlich gemeint? Die einfachste Antwort lautet: Alles das, was man zwar spricht, aber normalerweise nicht schreiben würde.  Auch wenn sich in der Welt der Chats, Blogs und SMS' allmählich der Antagonismus von Schriftsprache und Sprechsprache aufzulösen beginnt, haben die meisten Sprecher und Sprecherinnen ein Gespür dafür, welche Formen in einem Brief möglich sind, welche Wörter man aber besser nicht verwendet. Dazu gehören zuerst einmal die Relikte aus den rheinischen Mundarten wie Brassel, fieseln, plästern, döppen, bisken, jückeln oder Häppken. Auch die im Alltag üblichen Wendungen Bist du hingeflogen?, Ich krieg das Fenster nicht auf oder Nun gib doch mal die Nörgelei dran, die ebenfalls aus den rheinischen Mundarten abgeleitet sind, wird man kaum in dieser Form zu Papier bringen. Das gilt erst recht für die sprechsprachlichen, für das Rheinland so typischen Lautungen: färtich (fertig), Oppa (Opa), gibbet (gibt es), Zuch (Zug) oder bisse (bist du).

 

Es gibt auch andere kleinräumige Sonderformen, die zwar nicht aus den Dialekten übernommen wurden, die man dennoch kaum in Augsburg oder Kaiserslautern hören wird. So sind Bratze (abwertende Bezeichnung für eine Frau), Omme (Kopf), Oschi (großes Ding) oder Mottek (Hammer) zum Beispiel nur im östlichen (Ruhrgebiet) und nördlichen Rheinland zu finden, anderswo wird man diese Wörter kaum verstehen.  

 

Das Gros des alltagssprachlichen Wortschatzes stammt aber aus der allgemeinen, überregionalen Umgangssprache. Wörter und Wendungen wie etwas abkönnen, himmeln, Asi, den Larry machen, mein lieber Scholli usw. sind nicht regional gebunden, gehören aber eindeutig nicht zur Schriftsprache. Auch Übernahmen aus Fachsprachen (Hängen im Schacht, Henkelmann, Kumpel, Pütt) oder anderen Sondersprachen wie dem Rotwelschen (Kohldampf, Moos (Geld), verkohlen, ziehen wie Hechtsuppe) prägen den sprachlichen Alltag, genau so wie kurzlebige Szene- oder Jugendsprachen. Viele dieser Wörter haben sogar schon Einzug in die offiziellen Wörterbücher gehalten, sind dort aber ebenfalls als umgangssprachlich gekennzeichnet.

 

Die sprachliche Welt jenseits der Schriftsprache ist bunt und vielfältig. Sie ist ständig in Bewegung. All ihre Facetten, Besonderheiten und regionalen Eigentümlichkeiten einzufangen, ist die Aufgabe dieses neuen "Rheinischen Wörterbuchs".  

 


Das Verfahren:

 

Alle können mitmachen. Das ist das Prinzip eines Mitmachwörterbuches - und es ist das Fundament eines Wörterbuchs der Alltagssprache: Da nahezu alle Rheinländer und Rheinländerinnen Umgangssprache sprechen können, sind auch alle potentielle Autorinnen und Autoren.

 

Mitmachen geht ganz einfach. Entweder man klickt auf ein - unterstrichenes - Stichwort, dann öffnet sich ein Dialogfeld, in dem man Kommentare, Ergänzungen oder Korrekturen hinzufügen kann. Oder man klickt in der Menüleiste auf Mitmachen, dann erscheint eine Eingabemaske, in der eigene Stichwörter oder gar ganze Wortartikel vorgeschlgen werden können.

 

Alle Informationen sind wichtig. Neben möglichst allen Wörtern, die in der rheinischen Altagssprache zu hören sind, interessieren auch ihre Verbreitung, ob sie in manchen Teilen des Rheinlands vielleicht gar nicht bekannt sind, oder ob sie neueren Ursprungs oder bereits veraltend sind, ob sie von Jüngeren oder nur von Älteren gesprochen werden, ob sie beleidigenden Charakter haben oder wertneutral gebraucht werden können oder ob sie unterschiedliche Bedeutungen haben können. Deshalb die Bitte an Nutzer dieses Wörterbuchs: Bitte nennen Sie uns

 

-  weitere Wörter, die Sie kennen und die noch nicht aufgeführt sind

- möglichst zusätzliche Beispielsätze, die den Gebrauch illustrieren

- den Ort oder die Region, in dem das jeweilige Wort bekannt ist

- das Alter der Benutzer (z.B. nur in der Schülersprache oder veraltet)

- ihren Namen, wenn Sie als Autor/Autorin in der Autorenliste geführt werden wollen

und  teilen Sie uns

- Berichtigungen, Ergänzungen und Korrekturen zu schon bestehenden Wortartikeln und

- Infos über die situative Verwendung der Wörter mit.

 


Die Ziele:

 

Was kann ein umgangssprachliches Wörterbuch?

 

Es kann zeigen, dass Sprache mehr ist als Duden und Grammantiklehrbuch, dass Sprache außerhalb der kodifizierten Grenzen ein zweites, außergewöhlich buntes und interessantes Leben führt.

 

Es kann Entwicklungstendenzen aufzeigen: Welche Wörter werden modern, welche werden kaum noch gebraucht? Wo ändert sich der Wortschatz am schnellsten, wo bleibt er stabil? Welche Sprachmoden gibt es und wie langlebig sind sie? Lange bevor Wörter in den Duden aufgenommen werden, sind sie in der Alltagsssprache im Gebrauch.

 

Es kann die regionale Verankerung der Sprache aufzeigen. Welche Wörter aus den alten, langsam verschwindenden Mundarten werden im Alltag noch gebraucht? Welche grammatischen Formen haben sich noch im Rheinland erhalten?

 

Es lässt erkennen, ob es innerhalb des Rheinischen wiederum regionale Unterschiede gibt. Ist das Ruhrdeutsche deutlich von der kölnischen oder Aachener Umgangssprache zu unterscheiden?

 

Und nicht zuletzt kann das Wörterbuch bei Fragen helfen. Nicht jeder Rheinländer kennt alle im Alltag gehörten Wörter oder Wendungen, Imis schon gar nicht!