LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

 

Buhai

Für manche kein Anlass für Buhai!

Buhei (mit seinen eher seltenen Varianten Bohai, Bahai und Behai, im rheinischen Süden auch Pohei) ist ein im Alltag nicht nur im Rheinland oft zu hörendes Wort, wenn sich jemand über unnötiges Getue oder übertriebene Reaktionen beschwert. Nu mach doch nich son Buhai um dat bisschen Hausarbeit! (So beschwert sich üblicherweise nur ein Mann) Der ganze Buhai für nix. Wat en Buhai! Buhai kann aber auch die Bezeichnung für Lärm und Krach sein:  Wat war denn dat von Bohei bei euch inne Bude? Sehr lästig ist auch der  Weihnachtsbuhai Dies Johr machen wir de janze Weihnachtsbuhai nit mit. 

Buhei mangelt es nicht an phantasievollen Herkunftslegenden, als da sind: japanisch für „Welle“ (die Welle machen); eine Kampfsportart; rumänisch für „Reibetrommel“; polnisch „Stier“; jiddisch „Lärm“; tagalog (philippinischer Dialekt) „Lebensfreude“; mittelhochdeutsch buhurt „mittelalterliches Turnier“; zu österreichisch Bahöl „Wirbel, Krawall“. Allen diesen Herleitungen ist eines gemeinsam: Sie sind falsch. 

Der älteste Nachweis im deutschen Sprachraum findet sich tatsächlich im Rheinland in Köln um 1824; noch älter sind allerdings die vielen niederländischen Belege: 1578 als bohaai und behaai, 1698 als poechai, jeweils schon mit der aktuellen Bedeutung „Rummel, Aufregung für nichts“. Buhai ist also mit Sicherheit ein Import aus dem Niederländischen, die weitere Wortgeschichte ist jedoch umstritten: vielleicht zu französosch brouhaha „Lärm, Getöse“, auf hebräisch barukh hab-ba „gesegnet sei, der da kommt“ zurückgehend.

Auch wenn der Buhai nicht nur im Rheinland auf die Nerven geht, ist er doch ein würdiger Kandidat für den Titel "Wort des Monats". Denn er hat aus unserer Region seine Wanderung in die deutsche Alltagssprache angetreten.

 

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