LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

Urzen,Ürzen,Urze, Urten, Örzgen, Ötzchen, Örzken, Örzen, Otzen, Ozen/Oozen, Orz, Otten 

 so heißen im Rheinland Reste, meist Essensreste (seltener in der Einzahl als Utz, OtzUn dat mir keine Uzen auf dem Teller bleiben.Wer hat denn dat Örzgen liegen lassen. Mach keine Urten, sonz gibbet schlechtes Wetter. Da is noch en Ötzchen drin im Glas.Hat man Reste aum Teller gelassen, hat die Mutter gesacht: „Wat sind dat denn hier für Örzen!? Die paar Örzen packse do wohl aunoch! Ein  Otzenlasser ist folglich jemand, der Reste auf dem Teller lässt Dat is auch son Otzenlasser. Urzen und Urten sind eher die südrheinischen Varianten, während im Norden eher Örtzen und Otzen zurückgelassen werden.

Da sind nur noch Orzen auf dem Tisch!

Urzen und Konsorten gelten als typisch rheinisch -– exklusiv rheinisch sind sie jedoch nicht. Im Gegenteil, sie gibt es in vielen deutschen Mundarten, so im Hessischen und Sächsischen als Ureße, im Niederdeutschen als Orte, aber auch im Südniederländischen als oorten, im Englischen als orts und im Schwedischen als oräte. Eine weitverzweigte Wortfamilie also, die entsprechend alt sein muss.

 Aus dem Mittelniederländischen kennen wir orate/orete „Abfallreste von Viehfutter“, aus dem Mittelniederdeutschen ort und ortels als „Essensreste“, und im Mittelhochdeutschen schließlich urez als das „übrig gebliebene Heu“. Allen Varianten voraus geht das althochdeutsche Verb urezzan , das man als „herausessen, vollständig zu Ende essen“ überstzen müsste. Im Grunde liegt hier das Verb ezzan/essen vor, das mit der Vorsilbe ur-/or erweitert wurde. Das abgleitete Substantiv urasz bedeutet also das „Herausgepickte“.    

 Anmerkung: Hierher gerhört auch Ütz als Bezeichnung für ein kleines Lebewesen. meist ein Kleinkind. Dat Ütz vonne Nachbarn ist schon wieder krank! Es kann aber auch ein junger Hund gemeint sein Die Meyers haben jetzt auch son Ütz.Wie drastisch Mundarten sein können,zeigt sich an der Ahr,dort ist Ürzche eine ledige Frau.