LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

Spekulats

  

Spekelats oder Spekulats nennt man im Rheinland das Gebäck, das im Hochdeutschen den etwas hochtrabenden Namen Spekulatius hat. Obwohl dieserdröge Pröff eigentlich nur durch Eintunken in Kaffee oder Kakao genießbar ist, hat er in der Weihnachtszeit überall Konjunktur - nicht nur im Rheinland, sondern mittlerweile auch in München oder Nürnberg.

An diesem Siegeszug ist das Rheinland nicht ganz unschuldig, denn hier ist das Gebäck erstmals im 19. Jahrhundert nachgewiesen. Das gilt allerdings nur für den deutschen Sprachraum, in den Niederlanden hat man das trockene Zeug schon im 18. Jahrhundert gegessen. Hier war es zu der Zeit Mode geworden, im Dezember statt der bei Calvinisten in Ungnade gefallenen „katholischen“ klaeskoeken (Nikolausgebäck) die in flachen Modeln gebackenen ‚speculaasjes’ oder ‚speculaaspoppen’ zu naschen. Der älteste überlieferte Name des Gebäcks war speculatie, was eigentlich „Meditation“ oder „Überdenken“ bedeutete, aber auch schon als „Wohlbehagen“ verstanden wurde. Im 18. Jahrhundert wurde das Wort dann metaphorisch oder ironisierend gebraucht als Bezeichnung für das Gebäck im Sinne von „Kuchen für Feinschmecker“ oder „Phantasiegebäck“. Die aktuelle niederländische Bezeichnung ist speculaas, wohl eine Verkleinerungsform.

Die ist nahezu identisch mit dem rheinischen Spekulats, was bei der nachbarschaftlichen Nähe nicht weiter verwunderlich ist. Schriftlich ist das platte Gebäck, das damit ein waschechter Imi ist, im Rheinland erst 1877 in Köln als „Spikulatius“ gebucht, also schon in der latinisierenden Form, die heute im deutschen Sprachraum gebräuchlich ist. Die Menschen im Rheinland, die das niederländische Nikolausgebäck in Deutschland populär gemacht haben, nennen es aber weiterhin umgangssprachlich Spekelats oder Spekulats.

Die ursprüngliche Funktion des Spekulats als Gebildgebäck zu St. Nikolaus hat zu allerhand „Spekulationen“ über den Ursprung des Namens Anlass gegeben. So hat man ihn mit dem Beinamen „episcopus speculator“ in Verbindung gebracht, mit dem der legendäre Bischof von Myra gleichsam zum wachsamen Beobachter der christlichen Gemeinde gemacht wurde, oder mit den Anfangsbuchstaben S.P.Clas zu „Sanctus Papa Nicolaus“, was aber schon deshalb unsinnig ist, weil der Nikolaus zwar heilig, aber nie Papst gewesen ist. Auch die Ableitung aus lateinisch species artificiales „Gewürze“ als altes Fachwort der Apotheker ist nicht zu begründen.

 

Wer mehr über die Geschichte des Wortes und die von rheinischen Wörtern überhaupt erfahren will, der lese die Bücher von Peter Honnen:

Wo kommt dat her? Herkunftswörterbuch der Umgangssprache an Rhein und Ruhr, Greven Verlag Köln 2018

und

Alles Kokolores? Wörter und Wortgeschichten aus dem Rheinland, Greven Verlag Köln 2011

 

Abb.: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Spekulatius_four_pieces_of.jpg