LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

prakesieren

Wat der wohl am prakesieren is?

Mit diesem Wort des Monats soll einmal eine Lanze für ein Wort gebrochen werden, das leider immer seltener im Altag zu hören ist. Es geht um das Verb prakesieren, das ein Autor des Mitmachwörterbuchs so charakterisiert (siehe Wortartikel): "Als gebürtiger Bergischer mit rheinischem Einschlag kann ich sagen, dass ich das Wort kenne und auch ab und zu anbringe. Wenn man prakesiert, dann verfällt man in eine Art meditativen aber trotzdem aktiven Zustand, in den man ungestört sein will. Von Nicht-Rheinländern wird dieser Zustand nicht verstanden. Ein Nicht-Rheinländer sagt:"Der liegt faul aufm Sofa und starrt in die Luft". In Wirklichkeit ist es ein Zustand äußerster Aktivität, an dessen Ende kluge Entscheidungen oder bahnbrechende Erfindungen gemacht werden können." Man sieht, prakesieren ist ein wichtiges rheinisches Wort, das mit 'über etwas brüten' oder 'nachdenken' nur unzureichend erklärt ist.  

Der Redakteur des Mitmachwörterbuchs hat noch die Oma im Ohr, die einen mit der Frage Wat bisse wieder am prakesieren? aus allen Träumen holen konnte. Allerdings konnte damit auch etwas anderes gemeint sein, denn prakesieren bedeutet auch 'herumwursteln, tüfteln': Die sind da nur am prakesieren. Wenn ich lang genuch prakesiere, krieg ich dat schon wieder hin. Aber wie auch immer, das schöne Wort sollte eigentlich unter besonderen Schutz gestellt werden.

Prakesieren ist eine rheinische Verballhornung von praktizieren und über das französische pratiquer in die rheinischen Mundarten gelangt. In Köln ist es seit 1500 nachgewiesen.

 

 

Foto: The Thinker, sculpture by Auguste Rodin Picture taken in Musee Rodin in Paris, France by wikipedian Pufacz