LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

 Ambach

 

Der wusste, was ein ambaktus ist.

Das alte und seltsame Wort ist in der Umgangssprache in festen Wendungen mit sehr feinen Bedeutungsnuancen zu hören: Wenn der dir wat erklärt hat, weiße wat Ambach is  (Bescheid wissen; wissen, wo es lang geht (mit leicht drohendem Unterton)). Wat is Ambach heute Abend? (was ist los, angesagt, wo gehen wir hin). Wat  is überhaupt Ambach ? (um was geht es eigentlich, was wollt ihr überhaupt). Wat is denn nu Ambach? (was ist jetzt an der Reihe, wie geht es weiter). 

Diese überraschenden Sonderbedeutungen des Wortes Ambacht sind eigenständige Entwicklungen im Regiolekt des Ruhrgebiets und unteren Niederrheins. Allerdings scheinen sie sich langsam im gesamten Rheinland auszubreiten. Die Mundarten des übrigen Rheinlands kennen, wenn überhaupt noch, nur die alte Bedeutung des Wortes Ambacht als Sammelbezeichnung für Handwerke (wie auch im Niederländischen: ambach "Handwerk") oder auch ganz allgemein für alle Berufe schlechthin. 

Es ist überhaupt erstaunlich, dass sich dieses wahrlich alte Wort - wenn auch in abgewandelter Bedeutung - nahezu unverändert ausschließlich in der rheinischen Umgangssprache erhalten hat, wo es auch von Jugendlichen häufig benutzt wird. In der Standardsprache hat sich ein kaum noch erkennbarer Abkömmling in Amt "im Sinne von Dienst, Dienstleistung oder Aufgabe" gehalten. Man kann Ambacht über das Althochdeutsche ambaht als eines der wenigen Wörter der deutschen Sprache überhaupt ziemlich sicher auf keltischen Ursprung zurückführen (über gotisch andbahts "Gefolgsmann, Diener" und gallisch ambactus "Dienstmann" zu keltisch *ambiaktos "Bote, Diener") - ein uraltes Wort also in ganz moderner Verwendung, und das nur im Rheinland.

Foto: Sven Teschke, veröffentlicht in Wikipedia unter;

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