LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

Hengasch

Im rheinischen Fernsehen macht seit einiger Zeit die Sendung "Mord mit Aussicht" Furore als gelungene Satire auf das Leben in der Eifel. Obwohl die rheinische Sprache in der Serie keine große Rolle spielt, ist der fiktive Tatort eine sprachliche Anspielung. Der heißt nämlich Hengasch und soll wohl ein Synonym für am Arsch der Welt  sein.

 

Das könnte Hengasch sein.

 

Seinen Lacherfolg erzielt der Name sicherlich durch die Schreibung, die jeder sofort als "Häng-Arsch" deuten wird, der sich nicht mit der Sprache der Region auskennt. Auch wenn diese Interpretation des Ortsnamens von den Machern der Serie sicherlich gewollt ist, so beruht sie doch auf einem Missverständnis. Denn die Eifeler Bezeichnung für das Gesäß müsste eigentlich richtig Hengersch, Hingersch oder Hengerschst geschrieben werden.  Das Wort bedeutet nichts anderes als "der Hinterste". Im Rheinland wird bekanntermaßen die Lautverbindung -nt- zu -ng- velarisiert, aus hinter wird somit hinger/henger (wie aus Kinder-Kenger, Winter Wöngde usw.), und auslautendes -s/-st in hinterst wird im Rheinland meist zu einem -sch. Deshalb heißt der Hintern nicht nur in der Eifel Hengersch, das "mildeste" Wort für das Gesaß in unserer Region, wie das Rheinische Wörterbuch so schön schreibt. In der Umgangssprache hört man das Wort noch häufig: Tu deinen fetten Hingersch da weg! Dein Hengersch hat heut KIrmes.

 

 

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