LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

Pilleente mit Pillefüße

Dat sind ma echte Pillefüße!

Bei manchen Wörtern käme man nie und nimmer auf die Idee, nach lateinischen Wurzeln zu suchen. Dazu gehört sicherlich Pille, Pulle, Pülle, das im Rheinland und den angrenzenden Niederlanden Lockruf für ein Huhn und anderes Geflügel oder die Bezeichnung für das Tier selbst sein kann. Das eigentlich schon veraltete Mundartwort hat in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts in einer Comicfigur als Pillhuhn eine fröhliche Auferstehung gefeiert (zu kleverländisch Pullenhühnchen„Huhn ohne Schwanz“). In der Umgangssprache findet man das Wort noch in den Pillefüßen„Plattfüße“ (nach dem Bild der Entenfüße) und in dem kindersprachlichen Pilleente(Kuck ma die Pilleente da auf dem Wasser!).

Interessanter ist jedoch, dass das Wort keineswegs der Kindersprache entstammt, sondern eine lange Geschichte hat. Die ist allerdings nicht so ganz eindeutig, denn die zwei auffälligen Varianten Pille/Pülle und Pullekönnen unterschiedlich erklärt werden, wenn auch der lateinische Ursprung unbestritten ist. Wir kennen sowohl das klassisch lateinische Wort pullus „junges Huhn“, das in jedem Fall die Wurzel des mundartlichen Pulle ist, als auch die vulgärlateinische Nebenform pullia/pullium, die für das mundartliche Pille verantwortlich sein könnte (ein i in einer Wortendung hat sprachgeschichtlich oft zu einem Umlaut im Wortstamm geführt). Denkbar, aber weniger wahrscheinlich, ist auch die Herkunft von Pille aus lateinisch pilus „Haar“ (so das Rheinische Wörterbuch). Dagegen sprechen die überlieferten niederländischen Formen (in Limburg heute pul und pel „junges Huhn, junges Mädchen“), die einen dunklen Vokal aufweisen. Die Annahme eines französischen Lehnworts aus französisch poule ist für manche kleinräumigen und grenznahen Gebiete denkbar, aber grundsätzlich sind Pille und Pulle „aus romanischer Zeit erhalten“ und damit viel älter, als es den Anschein hat.

 


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