LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

Pannas

 

Panhas

oder Panhas ist offensichtlich wieder im Kommen. Eigentlich vermutete man dieses Gericht in der Mottenkiste rheinischer Plumpsküche, weil es nicht mehr so recht zu modernen Ernährungsgewohnheiten passt. Aber die Auslagen von Metzgern und die Speisekarten von Traditionsgasthäusern der Region beweisen das Gegenteil. Selbst in der Supermarktkette "Extra" findet man den Pannas fertig abgepackt in der Kühltheke.

Pannas ist das mit Buchweizenmehl eingedickte Blut des geschlachteten Schweins, das mit Wurstbrühe und Speckstücken angereichert wird. Die graue Masse wurde früher an Schlachttagen in großen Mengen gebraten und mit den Nachbarn gemeinsam verputzt. Sie hatte im Rheinland viele verschiedene Bezeichnungen, die allerdings nicht unbedingt Appetit auf das Gericht machen: Balkenbrei, Tüüt, Klappertüüt, Kröppels, Dätsch, Klümpes, Puttes oder Knabbedapp. Da Hausschlachtungen heute kaum noch vorkommen und die Mundarten stark zurückgehen, kennen nur noch wenige Rheinländer und Rheinländerinnen diese Ausdrücke.

Das ist beim Pannas überraschender Weise anders. Pannas kann in der rheinischen Umgangssprache nämlich auch "Kram, Zeug" bedeuten: Jetz hasse den ganzen Pannas auf dem Boden liegen, pass doch auf! Daneben gibt es den Pannaskopp (Blödmann), den Pannasathleten (Schlappschwanz) und die verblüffenden Wendungen Pannas am Schwenkmast und Pannas am Christbaum, die man am Niederrhein und im Ruhrgebiet häufig hört, wenn jemandem Sanktionen angedroht werden: Jetz is aber Pannas am Schwenkmast, wenn hier nich bald Ruhe is

Auch wenn er kaum noch gegessen wurde, hat der Pannas in der Umgangssprache also überlebt. Das Wort bedeutet im Übrigen nicht "Pfannenhase", wie überall zu lesen ist, sondern es geht auf das westfälische Pannharst zurück, was soviel wie "Röstpfanne, gebratenes Fleischstück" bedeutet (man findet das Grundwort auch in Pottharst).

Das Bild wurde unter GNU-Lizenz für freie Dokumentation veröffentlicht; Quelle: Wikipedia