LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

uselich,usselich, usselig

 

Foto zeigt regnerisches Wetter

 

Obwohl das Wetter in diesem Winter lange nicht so uselich war, wie im Rheinland oft üblich, ist das Wort eines der von den Leserinnen und Lesern am häufigsten genannten in diesem Wörterbuch.

Uselich, auch usselich, oselich oder üselisch, ist gemeinhin mit dem Wetter verbunden. Bah, dat is aber heute so richtich uselich draußen, da bleibse besser hintern Ofen! sagt man, wenn es draußen ausgesprochen unfreundlich, regnerisch und kühl in einem ist. Bei useligem oder oseligem Wetter geht man im Rheinland freiwillig nich vor de Tür. Auch wenn man es einem Fremden nicht genau erklären kann, weiß hier jeder genau, was useliges Wetter ist.

Weiter im Norden des Rheinlands kann uselich auch 'kränklich, zurückgeblieben, mickrig' bedeuten: Wat hasde denn da von useligen Weihnachtsbaum angeschleppt? bekommt ein Vater schon mal zu hören, wenn er mit einem nicht so gelungenen Exemplar nach Hause kommt. Es kann einem aber auch so irgendwie üselisch sein, dann ist eine Krankheit im Anzug und man fühlt sich nicht richtig wohl. Das dazugehörige Verb lautet useln oder oseln. Wenn ein Strauch im Garten vor sich hin oselt, dann kränkelt er und wird wohl nichts Gescheites mehr. Wenn man entsprechend den Usel/Osel hat oder leidet, dann ist man kränklich oder sonst nicht ganz glücklich: Die müssen ganz schön den Usel leiden (Elend, Not) Hasse den Osel? (Krankheit).

Am Niederrhein und im Ruhrgebiet kennt man den Osel oder Usel auch als neutrale Bezeichnung für ein kleines Kind oder den Jüngsten in einer Familie: Pass auf, dat der Osel nich aufe Straße rennt oder Dat is der Usel ausse Familie.

Eine umfangreiche Wortfamilie also, die sehr typisch für die rheinische Umgangssprache ist. Das Wort entstammt den rheinischen Mundarten und ist dort von der Zentraleifel bis zum Westfälischen verbreitet. Aber auch wenn es heute noch so beliebt ist, kennt man seinen Ursprung nicht genau. Es wird auf das althochdeutsche 'usvilar' zurückgeführt, das mit 'aschfarben' zu übersetzen ist. Im Mittelhochdeutschen ist 'usel' die Asche, womit auf die aschfahle Gesichtsfarbe von Kranken angespielt sein könnte. Aber so richtig weiß man es eben nicht. 

Wie dem auch sei, für das Rheinische ist das Wort sehr wichtig, auch wenn es auf eher unangenehme Umstände schließen lässt. Aber es kann ja drinnen auch richtig muckelich sein, wenn es draußen uselich ist.

Die Bilder wurden unter GNU-Lizenz für freie Dokumentation veröffentlicht; Quelle: Wikipedia