LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
Logo LVR


Wort des Monats

Pütt



Zur Zeit wird wieder heftig über die Zukunft des Bergbaus im Ruhrgebiet gestritten. Nachdem im Aachener Kohlenrevier und am linken Niederrhein schon lange kein Bergmann mehr in den Pütt einfährt, gehen nun auch im eigentlichen Kohlenpott langsam die Grubenlampen aus - und damit werden wohl auch diese für die Region so typischen Begriffe bald aus der Umgangssprache verschwunden sein.

Wie eine kleine, nicht repräsentative Umfrage ergab, verstehen schon heute viele Jugendliche Sätze wie Im Pütt haddet en Unfall gegeben oder Der arbeitet im Pütt nicht mehr und reagieren auf die Anmerkung Dat is en alter Püttmann (Bergmann) völlig verständnislos. Auch der Kohlenpott ist mittlerweile fast vollständig durch den Ruhrpott verdrängt.

Dabei war der Pütt einmal weit verbeitet. Auch außerhalb des eigentlichen Kohlenreviers zwischen Dortmund und Kamp-Lintfort wusste man genau, wie hart die Maloche im oder aufem Pütt war. Selbst dort, wo es sprachgeographisch eigentlich gar nicht Pütt heißen dürfte, im Wurrmrevier zwischen Alsdorf und Eschweiler, fuhren die Kumpel früher in den Pütt. Strenggenommen müsste es in der Region Aachen Pütz heißen, denn so lautet die rheinisch/ripuarische Bezeichnung für den Brunnen oder den Brunnenschacht, der im niederdeutschen Teil des Rheinlandes nördlich der berühmten Ürdinger Linie eben Pütt heißt und zum Namensgeber für den Bergwerkschacht und schließlich den Berggbau selbst geworden ist (beide Varianten gehen in letzter Konsequenz auf lateinisch "puteus" (gegrabenes Loch, Brunnen) zurück). Daran kann man erkennen, dass der Aachener Pütt eine Übernahme aus dem Ruhrgebiet und keine eigenständige Entwicklung ist.

Der Pütz/Pütt hat in der Umgangssprache nur im Zusammenhang mit dem Bergbau überlebt, seine ursprüngliche Bedeutung ist völlig verschwunden. Allerdings findet man das Wort heute noch in Flur- und Ortsnamen, z.B. den Bonner Ortsteil Pützchen, berühmt durch die große Herbstkirmes, und in daraus abgeleiteten Familiennamen, deren bekanntester Vertreter im Rheinland wohl Jean Pütz sein dürfte.

 

Die Bilder wurden unter GNU-Lizenz für freie Dokumentation veröffentlicht; Quelle: Wikipedia