LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

kiwief

 

(?) „Qui vive!" (?)


Das Wort an sich sicher nicht, aber manche seiner Verwendungen sind offensichtlich exklusiv rheinisch: Der Kleine is en kiwief Kerlchen. Der Verkäufer, der euch die Kiste angedreht hat, war aber ganz schön kiwief.  Ist jemand kiwief, dann ist er aufgeweckt, intelligent, reaktionsschnell oder gerissen. Uneingeschränkt positiv ist das Lob wohl nicht immer gemeint, lebenstüchtig ist die so bezeichnete Person aber allemal. Der Inbegriff eines kiwiefen Kerlchens könnte z.B. ein Banker sein, der sich gerade mit einer millionenschweren Abfindung aus der Krise verabschiedet hat.

Kiwief als Adjektiv oder Adverb mit dieser Bedeutung scheint nur im Rheinland gebräuchlich zu sein. Überall sonst kennt man nur die Wendung auf Kiwief sein oder jemanden auf (dem) Kiwief haben im Sinne von "auf der Hut sein", "vorsichtig sein". Dies sagt man sowohl in Pommern, im Rheinland, in Schleswig-Holstein als auch in Schwaben, wenn man zur Wachsamkeit oder Vorsicht mahnen oder jemanden warnen will: Pass bloß auf, Männeken, ich hab dich ab jetz auf dem Kiwief, nochma gelingt dir dat nich

Diese Verwendung hat auch zu der landläufig zu lesenden Erklärung geführt, das Wort stamme aus dem Französischen und gehe damit auch wieder, wie so oft, auf die napoleonischen Besatzungssoldaten zurück, die auf dem Wachgang jeden Unbekannten mit "Qui vive?" (Wer da?) anriefen. Eine zweite Erklärung hat ebenfalls militärische Wurzeln, hierbei gingen die französischen Soldaten jedoch nicht Wache, sondern suchten nach der Schlacht auf dem Schlachtfeld nach Überlebenden mit dem Ruf: "Qui vive encore?! (Wer lebt noch?).

Die Redaktion des Mitmachwörterbuchs ist bekannt für ihre chronischen Zweifel bei Versuchen, umgangssprachliche Wörter mit der Franzosenzeit zu erklären. So auch hier. Allerdings muss sie zugeben, keinen schlüssigen Gegenentwurf vorlegen zu können. Denkbar ist jedoch eine Verballhornung des Wortes "gewieft", das denselben Bedeutungshorizont hat. Es bleiben dabei aber ebenfalls berechtigte Zweifel, genau wie bei der Ableitung von "gewieft" aus dem mittelhochdeutschen Verb "wifen" (winden, schwingen).

Das Bild wurde unter GNU-Lizenz für freie Dokumentation veröffentlicht; Quelle: Wikipedia.