LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

Pittermännchen

 

Das im Rheinland so beliebte kleine Partyfass hat es aus zwei Gründen in diese Wort-Galerie geschafft. Zum einen wurden schon die ersten Pittermännchen an dem vergangenen ersten Frühlingswochenende dieses Jahres in den Bonner Rheinauen bei Spontanparties gesichtet, zum anderen hat den Redakteur des Mitmachwörterbuchs in der vergangenen Woche eine sehr schöne und bislang unbekannte Wortlegende erreicht, die einen neuen Aspekt in die Diskussion um die Deutung dieses lustigen Wortes einbringt.

Erzählt hat sie die Kölnerin Agnes Meyer, die vor langer Zeit einmal an einer Klosterführung im flämischen Belgien teilgenommen hat. Bei dieser Gelegenheit hatte der Guide die Herkunft des Namens damit erklärt, dass im Mittelalter die Brauer des Klosters ihr Bier in kleinen Pfandfässern verkauften und verärgert waren über die Rückgabemoral der Kunden. Um die Fässer als Klostereigentum zu kennzeichnen, wurde ihnen darauf hin der Name des Heiligen Petrus, des Patrons der Brauer, eingebrannt. Daraus ist dann schnell das Pittermännchen geworden.

So schön diese Wortgeschichte ist, so unwahrscheinlich ist sie auch. So erscheint es äußerst fragwürdig, dass im Mittelalter in Klöstern Bier in Fässern verkauft worden ist. Die Mönche haben zu dieser Zeit das Bier meist zum Eigengebrauch gebraut und oft sogar von den Bauern auf den Fronhöfen geliefert bekommen. Gewerbliche Klosterbrauereien sind erst viel später entstanden. Darüber hinaus, und das ist wohl der entscheidende Einwand, ist das Wort Pittermännchen im Niederländischen, auch in den an den deutschen Sprachraum angrenzenden dortigen Dialekten, völlig unbekannt. 

Genau so unwahrscheinlich ist auch eine Wortgeschichte, die in Köln und auch im Kommentarteil dieses Wörterbuchs erzählt wird. Danach haben früher im zentralen Rheinland zu Peter und Paul am 29. Juni Vatertagsumzüge stattgefunden, bei denen wie heute auch Pittermännchen in einem Wägelchen mitgenommen wurden. Die Umzüge hat es jedoch nie gegeben, denn diese Art Vatertagsbelustigungen sind eine Erfindung des 20. Jahrhunderts und waren seit den 50er Jahren immer mit Christi Himmelfahrt verknüpft.

Man muss auch bedenken, dass um 1900 das Wort Pittermännchen mit der Bedeutung "kleines Fass" exklusiv in Köln gebraucht wurde. Im gesamten übrigen Rheinland kannte und kennt man zwar das Wort, aber immer nur als Bezeichnung für etwas Kleines: als Kosename für einen kleinen Peter, allgemein für einen kleinen Jungen, für einen Fisch (Knurrhahn), für den kleinen Finger, den Penis, eine kleine Münze, eine kleine Öllampe, einen kleinen Pinn (als Werkzeug) oder als kleines Küchenmesser - und deshalb ist wohl auch irgendwann einmal das kleine Kölner Fass, als es Mode wurde, so genannt worden. 

Eines ist allerdings überraschend. Schaut man sich die Diskussion um den Wikipedia-Artikel zum Pittermännchen an, so fällt Kölnern sicher der Eintrag eines Düssedorfers auf, der das Wort für seine Stadt und damit natürlich für kleine Altbierfässer reklamiert. Die Frage ist jetzt: War das Pittermännchen tatsächlich immer schon in der Landeshauptstadt bekannt oder ist das Wort erst später aus Köln importiert worden?