LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

Knöllchen

 

 

bekommt man überall. Selbst auf der offiziellen Website von Deutschlands heimlicher Hauptstadt spricht man verschämt vom "sogenannten Knöllchen", aber auch in München kann man nicht länger leugnen, dass nach Tschüss, Klüngel und pingelich nun ein weiteres rheinisches Wort die bairische Umgangssprache infiltriert hat. 

Denn dass das Knöllchen aus dem Rheinland stammt, ist genau so sicher wie die leidige Tatsache, dass es bezahlt werden muss. Hier kannte man schon lange vor 1900 die Verniedlichungen Protoköllchen und Protoknöllchen, aus denen dann später die Köllchen und Knöllchen wurden. Auch die vom eigentlichen Wortsinn abweichende Verwendung von 'Protokoll' für jegliche Schreiben "vom Amt" und damit auch für Strafzettel und Bußgeldbescheide hat im Rheinland eine lange Tradition.

Raum für Spekulationen bietet lediglich das "n" in Knöllchen. Ob es aus dem kölschen Knöllchen für die Kopfnuss entlehnt wurde oder eine Anspielung auf das Zusammenknüllen der unbeliebten Zettel ist, kann nicht mehr beantwortet werden. Jedenfalls hat das Knöllchen nichts mit der rheinischen Knolle (Rübe, Kartoffel) zu tun, auch wenn man heute hier vielfach hört: Mist, ich hab ne Knolle am Auto! Letztere ist eine moderne Entwicklung, die nichts mit der eigentlichen Wortgeschichte zu tun hat.