LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

schlampampen

 

Vor oder nach dem Schlampampeln?

So sehr man sich im Rheinland auf den Abschluss der 5. Jahreszeit von Weiberfastnacht bis Aschermittmoch auch freut, danach ist erstmal Schluss mit lustig. Deshalb wird vorher schlampampt was das Zeuch hält. Der Winter gilt eh' als die Zeit, in der man sich die Pfunde anfuttert, die man in der Fastenzeit und im Frühling wieder abtrainieren muss.

Damit ist auch die Bedeutung des Verbs schlampampen/schlampampeln geklärt, die das unvergleichliche Grimmsche Wörterbuch so zusammenfasst: "leckeres essen, schmausen, prassen, ein gelage halten, in saus und braus leben, schlemmen". Das Wort ist seit dem 16. Jahrhundert in der Literatur gut belegt, stellvertretend sei hier Heinrich Heine zitiert:

"wir wollten mit einander dort in Rheinwein und austern schlampampen".

Allerdings scheint schlampampen nicht immer so ganz wertfrei gebraucht worden zu sein, wie ein weiteres Dichterzitat zeigt, diesmal vom Mai-Anbeter Emanuel Geibel:

"verdirbt bei dirnen sich das blut, schlampampt, verthut sein hab' und gut."

Und schließlich wird unser Dichterfürst Goethe nicht unbedingt ans Essen gedacht haben, wenn er sich zu einem "Schlampampen-Stündchen" bei seiner Christine einfand.

Auch in den rheinischen Mundarten ist das Wort ausschließlich negativ konnotiert. Hier bedeutet es "verprassen, schmarotzen, etwas verschleudern" usw. Eine zweite mundartliche Bedeutungsvariante, die auch im Grimmschen Wörterbuch belegt ist, hat es offensichtlich nicht in unsere aktuelle Umgangssprache geschafft. Danach ist jemand, der schlampampelt, äußerst nachlässig oder sogar schmutzig gekleidet und schlurft als abstoßendes Beispiel in der Gegend herum.

Bei diesem Befund ist es nicht verwunderlich, dass die gängigen Erklärungsversuche im Internet zur Herkunft des Wortes meist bei der Schlampe und dem Adjektiv schlampig landen. Zwar weiß auch der "Kluge" keine Erklärung, wie die Schlampe eigentlich entstanden ist ("vermutlich nasalierte Form zu den unter schlaff und Lappen behandelten Sippen)", aber eine Verbindung scheint bei der negativen Bedeutung auf jeden Fall zu bestehen.

Aber der rheinische Schlemmer muss sich sein Schlampampeln deshalb nicht ganz vermiesen lassen. Denn es kann gut sein, dass die beiden unterschiedlichen Bedeutungsvarianten des Wortes tatsächlich auf zwei verschiedene Wurzeln zurückgehen. Auch der "Kluge" deutet das mit dem Hinweis auf die Schlempe (flüssiger Rückstand der Maische) indirekt an. Und in der Tat ist das Wort im Niederländischen und im Niederdeutschen als slampampen weit verbreitet und wird dort auf slempen und slempe zurückgeführt, die etwas mit Brei, modderigem Wasser und anderen undefinierbaren Flüssigkeiten zu tun haben. Aus diesem Sprachraum wird deshalb auch unser schlampampeln als fröhliches Schlemmen und Zechen herkommen; es hat damit zwar eine etwas unappetittliche Wurzel, ein schlechtes Gewissen muss man sich beim Schlampampeln allerdings nicht machen, zumal nach Aschermittwoch damit eh' Schluss ist.