LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

 nickelig

 

oder besser nickelich ist ein Wort, das man nur im nördlichen Rheinland, im Ruhrgebiet und im anschließenden Münsterland kennt. Dabei ist es ein sehr "nützliches" Wort, denn es benennt ein Verhalten, das man nur sehr unzureichend mit "unleidlich, eingeschnappt, störrisch, unkooperativ, verärgert" oder "introvertiert" beschreiben kann. Mit einem nickeligen Zeitgenossen hat man auf jeden Fall keinen Spaß, da bleibt eigentlich nur der Seufzer Wat bisse wieder so nickelich heute, dat is ja nich zum Aushalten. Auch beim Fußball kann man nickelich sein. Das sind in der Regel Spieler, die in Deutschland Berti Vogts und Horst-Dieter Höttges idealtypisch verkörpert haben: Dat warn so ganz Nickelige, so Wuselige, die immer von hinten inne Beine gegangen sind, da hattese keine Ruhe vor. Im Bergischen Land kann nickelig die Sonderbedeutung "geizig" haben, im Ruhrdeutschen auch "kleinlich": Sei doch nich so nickelich, dat tritt sich doch platt

Nickelich leitet sich natürlich vom weitverbreiteten Nickel ab, der wiederum die Kurzform von Nikolaus ist. Der Heilige und sein Name waren im Mittelalter äußerst populär, wovon heute nicht zuletzt noch viele Familiennamen zeugen: Nickola, Klaus, Klaas, Klasing, Klesel, Klages/Klagges, Laus, Nietzsche older Kulik. Häufige Namen werden oft verallgemeinernd gebraucht, man denke an Peter/Pitter, Jan (un allemann) oder Otto (du blöder Otto). So wurde Nickel zum Synonym für "Hinz und Kunz" oder "jedermann". Dazu traten dann Sonderbedeutungen wie "kleiner Mensch" im Bairischen oder "Hanswurst" im Schwäbischen. Im Rheinischen wurde der Nickel zu einem eigensinnigen, oft auch hinterhältigen Menschen oder Giftzwerg - und damit zum Namengeber ener ganzen Reihe von Typen: dem Fieß- oder Saunickel, einem Widerling, dem Doof-, Dumm- oder Blödnickel, einfach dämliche Menschen; dem Saufnickel oder Schlucknickel , Saufbolden, und den Pferde-, Hunde-, oder Katzenickel, Tiernarren, die kleinlich gegenüber allen sind, die ihre Leidenschaft nicht teilen.

 

Auch ein Nickel

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Wortgeschichte des gleichnamigen Metalls. Sie geht tatsächlich auf das Schimpfwort Nickel zurück und soll hier kurz nach "Trübners Deutschem Wörterbuch" erzählt werden: "Auf dem Scheltwort beruht auch der Name des Metalls. Im Erzgebirge bezeichneten die Bergleute im Ärger ein für sie unbrauchbares kupferrähnliches aber kein Kupfer enthaltendes Erz als Kupfernickel. Das Erzgebirgische Wort ging als kopparnickel ins Schwedische über, und als es 1751 dem schwedischen Mineralogen von Cronstedt glückte, aus dem Erze das reine Nickelmetall auszuscheiden, gab er diesem den Namen nickel Metall. Diese Bezeichnung setzte sich allgemein durch." (auch in den anderen europäischen Sprachen). Die gleiche Geschichte geschah im Übrigen bei Kobald, das ursprünglich abwertend als Kobold bezeichnet worden war.

Soviel zum Nickel.