LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

Die Pleite

 

ist das Wort der Stunde. Nachdem es in den letzten beiden Jahren berühmte Banken erwischt hat, drohen nun auch ganze Volkswirtschaften Pleite zu gehen. Soviel Pleiten waren nie. Genug Gründe also, die Pleite zum Wort des Monats im Rheinischen Mitmachwörterbuch des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) zu küren.

Diese Bank ist schon pleite.

Selbstverständlich ist Pleite kein regional verankertes Wort, sondern eines der allgemeinen Umgangssprache. Und es hat, genauso wie diejenigen, die Pleite machen, selbst einen sehr schlechten Ruf. In einem großen deutschen Wörterbuch aus den 50er Jahren wird sogar geraten, dass „der Deutsche es nicht in den Mund nehmen sollte."

Der Grund ist allerdings nicht die Bedeutung sondern die offensichtlich „anrüchige" Wortgeschichte: Das Wort Pleite entstammt nämlich der deutschen Gaunersprache, dem sogenannten Rotwelsch. Es ist von dort erst spät, um 1850, in die deutsche Umgangssprache gelangt.

Die eigentlichen sprachlichen Wurzeln liegen allerdings im Jüdischdeutschen. Dort wurde aus dem hebräischen „p?l?ta" (Flucht, dann Bankrott) die Pleijte, die dann von den Berliner Ganoven als Pleite in ihr Rotwelsch übernommen worden ist.

Der Pleitegeier, der im Moment z.B. über Griechenland schwebt, hat im Übrigen nichts mit einem Vogel oder gar dem gemeinhin als „Kuckuck" bezeichneten öffentlichen Pfandsiegel zu tun. Er ist vielmehr eine Verballhornung der Pleitegeher, wie in Kaufmannskreisen sowohl diejenigen benannt wurden, die Pleite machten, als auch diejenigen, die zu eben diesen Bankrotteuren gingen, um von deren Unglück zu profitieren. Eine marode Bank wäre dann eigentlich ein Pleitegeier, über dem ein Pleitegeier schwebt.

Wenn man Pleite macht, geht das Geld flöten. Auch dieses Verb soll, wie man überall lesen kann, aus Umwegen über das Portugiesische aus dem hebräischen „p?l?ta" entstanden sein. Diese Wortgeschichte ist jedoch eher unwahrscheinlich, denn schon im 16. Jahrhundert hatten norddeutsche Kaufleute Angst, dass ihr Geld „fleuten gaht". Im Niederdeutschen hatte das Wort fleuten eben auch die Bedeutung „verschwinden, durchbrennen".

Die Pleite ist, wie man sieht, ein Wort, das eine genau so bewegte Geschichte hat wie das Finanzgebaren vieler aktueller Pleitiers.