LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
Logo LVR


Wort des Monats

kötten

 

Aus aktuellem Anlass hier aus dem Archiv zum Martinssingen: 

 

Im Herbst, anlässlich von Halloween und St. Martin, wird es Rheinländern und Rheinländerinnen wieder bewusst, dass es für den an diesen Tagen von Kindern praktizierten Brauch, an Haustüren sammeln zu gehen, gar kein standardsprachliches Wort gibt. Welches Kind würde ein anderes fragen: Gehtst du heute Abend mit deiner Fackel mit, bei den Nachbarn in unserer Siedlung Gaben zu erbitten? Stattdessen füllen diese Lücke auch in der modernen Alltagssprache noch alte Mundartwörter, die von Kindern heute noch benutzt werden. So geht man im zentralen Rheinland und im Süden des Bergischen Landes an St. Martin kötten, im Norden des Bergischen Landes und in Düsseldorf und Mülheim gripschen, im Süden des Rheinlands dagegen schnörzen oder dotzen. Ein Universalwort ist dagegen heischen, das im gesamten Rheinland verstanden, aber eigentlich selten benutzt wird (weshalb Volkskundler die besagten Bräuche auch "Heischegänge" nennen). Nur wer gar keines dieser Wörter mehr kennt, der nennt den Brauch schlicht Martinssingen.

Die Wörterbuchredaktion würde sich über weitere Meldungen von "Martinssingen-Synonymen" freuen. Vielleicht kann daraus sogar eine Wortkarte entstehen.