LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

prollen

 

Diese Kiste ist zum Prollen gemacht!

Eigentlich ist das  "urrheinische" Wort für 'prahlen, angeben' natürlich strunzen oder strungksen mit den Derivaten Strungkser oder Strungksbüggel: Der is am strungksen wat dat Zeuch hält, du glaubs et nich wäre ein typisch rheinischer Kommentar über jemanden, dessen Prahlerei nervtötend ist. Aber das Wort muss wohl bald auf die Rote Liste der bedrohten Wörter gesetzt werden.

Mehrer kleinere Umfragen unter Schülern im zentralen Rheinland haben nämlich gezeigt, das strunzen bei Jugendlichen mittlerweile fast völlig unbekannt ist. Selbst zum passiven Wortschatz von Gymnasiasten scheint es nicht mehr zu gehören. Es ist nahezu vollständig ersetzt durch das Verb prollen, das wiederum ältere Rheinländer und Rheinländerinnen nur sehr schwer einordnen können. Sätze wie Der prollt doch nur rum mit seinen Eroberungen oder Jungs müssen immer prollen, die können gar nich anders werden da schon einmal schnell missverstanden.

Das tun übrigens auch der Duden und und das Wikipedia-Wörterbuch Wiktionary, die beide als Bedeutungsangabe von prollen "sich wie ein Prolet benehmen" anführen. Das trifft die Sprachwirklichkeit im Rheinland aber nur sehr bedingt. Man kann natürlich angeberisches Verhalten als proletenhaft interpretieren, aber im jugendlichen Sprachgebrauch in Köln oder Bonn bedeutet das Verb prollen eigentlich immer nur "angeben, prahlen". 

Wahrscheinlich vermuten die Wörterbuchmacher, dass unser rheinisches prollen eine Ableitung aus "Prolet" ist und schließen damit automatisch auf die Wortbedeutung. Das scheint aber ein Trugschluss zu sein. Denn das Verb ist bereits im Rheinischen Wörterbuch mit der Bedeutung "laut sprechen, schreien" verzeichnet und damit der Abstammung vom prolligen Proleten völlig unverdächtig. Es ist wohl eher eine Ironie der Sprachgeschichte, dass sich in diesem Fall Jugendliche von einem Mundartwort verabschieden, um es durch ein anderes, dessen Herkunft sie nicht ahnen, zu ersetzen.