LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

Pröll

 

Mit dem Frühling beginnt auch wieder die Flohmarktsaison. Dann kann man seinen alten Kram, der seit Jahren zu Hause nur den Keller zumüllt, endlich loswerden und sogar das Taschengeld der Sprösslinge damit aufbessern. Im Rheinland nennt man diese Flohmarktware Pröll oder - seltener - Prüll: Den Pröll wirsde noch nich ma auf dem Flohmarkt los. Wohin mit dem ganzen PröllWech mit dem Pröll! Auch der Plural Pröllen ist oft zu hören, wobei damit auch alte Kleidung gemeint ist: Die alten Pröllen ziehsde doch eh' nich mehr an, verklopp die doch aufem Flohmarkt. Daneben gibt es noch das Pröllzeug oder den Pröllkram.

Den Pröll kennt man im Rheinland eigentlich nur nördlich von Aachen, Köln und Gummersbach. Der "Wrede", das berühmte Kölner Wörterbuch, nennt das Wort zwar auch, es gilt ihm aber als veraltet. Weiter südlich ist es unbekannt, hier spricht man von Pluuten, Schamott, Remmel, Pröttel oder Gereih. Allerdings scheint der Pröll auf dem Vormarsch zu sein. In einer jüngeren Wortsammlung ist er auch schon im Gebiet nördlich der Ahr aufgetaucht.

In einem kleinen Gebiet zwischen Düsseldorf, Moers und Ruhrort verkauft man auf dem Flohmarkt auch Plörren, die es nur in der Pluralform gibt. Das sind meist alte Klamotten (In den Plörren kannsde doch nich int Theater gehn), aber auch alter Plunder, Flohmarktware eben: Die Plörren taugen nur noch für den Flohmarkt. (Man kann die Plörren übrigens auch hinschmeißen, dann ist man im Begriff zu kündigen). 

Der Pröll ist niederdeutschen Ursprungs. Im Norden heißt er Prull oder Prüll, in den Niederlanden kennt man den prul, den man in den prullenbak (Papierkorb) wirft. Die genaue Wortgeschichte ist noch unbekannt, auffällig ist allerdings, dass es eine ganze Reihe von Wörtern gibt, die auf Pru-/Plö- anlauten und etwas Minderwertiges bezeichnen: Pröllen, Plörre (minderwertiges Getränk), Prött (Kaffeesatz), Plünnen, Plunder, Plörren, Pröttel usw. Hier ist durchaus ein gemeinsamer Stammbaum anzunehmen.