LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

Pips

 

Nun grassieren sie wieder, die typischen und sehr lästigen Sommererkältungen. Allerdings: Im Rheinland bekommt man prinzipiell keinen Schnupfen. Das liegt jedoch nicht an der besonderen Widerstandsfähigkeit der Menschen in der Region, sondern an der Alltagssprache; im Rheinland hat man man nämlich den Pips. Und den kriegt man nicht, wie den Schnupfen, sondern den holt man sich: Zieh dir wat Dickeres an, sons holsde dir den Pips! ist ein oft gehörter wohlmeinender Rat.

Mit diesen Dingern (Coronaviruses) holt man sich den Pips.

Nun ist der Pips zwar auch nicht angenehmer als der Schnupfen, er hat aber immerhin eine weitaus interessamtere Wortgeschichte. Denn anders als zu vermuten, ist das lustige Wort keine Lautmalerei, sondern es hat seinen Ursprung im Lateinischen. Dort war "pituita" die Bezeichnung für eine zähe Flüssigkeit oder Verschleimung. Daraus ist unter Einfluss von "pipare" (piepen, flöten) im Mittelalter "pipita" geworden, womit eine bestimmte schupfenähnliche Entzündung beim Federvieh gemeint war. Im Althochdeutschen wurde daraus "phiphiz" und "phiffiz", das ursprünglich, wie der Pips heute in der ländlichen Bevölkerung immer noch, ausschließlich die Erkrankung der Hühner meinte, bis die Bedeutung schließlich auch auf den Schnupfen des Menschen übertragren wurde. Wie die Wortgeschichte vermuten lässt, findet man parallele Entwicklungen auch in anderen Sprachen, im Spanischen heißt der Pips "pepita" und im Französischen "pepie". Im Rheinland benutzt man also in der Alltagssprache das viel ältere und weit verbreitetere Wort für unseren modernen Schnupfen. Es bleibt ein Geheimnis der Sprachgeschichte, weshalb nicht alle Menschen in Deutschland sich den Pips holen, wenn sie auf Coronaviruses stoßen.