LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

 Kappes

  

 

Der Kappes hat zur Zeit gleich in mehrfacher Hinsicht Konjunktur. Zum einen ist die Winterzeit natürlich schon immer Kappeszeit gewesen. Der Weißkohl ist ein geradezu ideales Wntergemüse, das auch in der dunklen Jahreszeit für den Vitamin-C-Nachschub sorgt, im Rheinland zu allerlei Eintöpfen, Kohlrouladen, Durcheinandergerichten, Salaten und Sauerkraut (im Dialekt Suurekappes) verarbeitet wird und vor allem eines ist: billig.

Das gilt nun ganz und gar nicht für den anderen Kappes, der in der letzten Zeit für Aufmerksamkeit gesorgt hat. Da ist neben dem Kappes, mit dem sich manche hochfliegenden Politiker um selbigen und Kragen reden, vor allem der Kappes, den sie und andere zu verantworten haben. Nicht nur in Berlin, auch in Duisburg (Landesarchiv), Bonn (Kongresszentrum) und in Köln (U-Bahn-Bau) kann man den Kappes, den sie angerichtet haben, sehr anschaulich besichtigen. Wer an dem ganzen Kappes aber schuld ist, bleibt dabei in jedem Fall unklar, Schuldzuweisungen werden dann gerne - wie zuletzt vom Kölner Domprobst - so kommentiert: Das ist Kappes

Hier geht es nun gottseidank nicht um eine Beurteilung dieses ganzen Kappes, sondern um die erstaunliche Tatsache, dass man ihn nicht nur essen sondern auch verzapfen kann - dass Kappes also viel mehr als nur ein biliges Gemüse ist.

Zunächst einmal: Den Kappes findet man nur im Rheinland (einschließlich Hunsrück) und in Westfalen (und überraschenderweise in der deutschprachigen Schweiz), überall sonst heißt es "Weißkohl" oder "Kraut". Das Wort ist über das Frühromanische aus dem Lateinischen entlehnt, dort ist "caput" das Haupt, weshalb man im Rheinland beim Fußballspielen auch den Kappes bei einer Flanke hinhalten oder gleich doppelt gemoppelt ein Kappeskopp sein kann. So weit, so einleuchtend.

Wie wird aber nun aus dem Kappes ein Synonym für Unfug oder Blödsinn? Die Antwort ist: nicht aus dem Kappes, wohl aber aus dem Kohl. Der hat im Rotwelschen, also der alten Gaunersprache, genau die gesuchte Bedeutung: Unsinn, Scherz, sinnloses Gerede. Woher dieser Kohl stammt, ist nicht ganz sicher. Vielleicht aus dem zigeunerischen "kalo" (schwarz), oder - wohl eher - aus dem Jiddischen "Kol", das "Geräusch, Stimme" oder "Nachricht" bedeuten  kann. Vielleicht ist es auch eine Mischung aus beidem, auf jeden Fall hat der essbare Kohl mit dem unsinnigen Kohl nichts zu tun. Wir erkennen diese Wortgeschichte noch in den Verben verkohlen (Bisse mich am verkohlen oder wat?) oder ankohlen.

Aus dieser Wortgeschichte kann man auch schließen, dass unser Kappes die Nebenbedeutung "Unsinn" ursprünglich gar nicht hatte; erst als der Kohl nicht mehr nur Gemüse war, wurde auch sein rheinisches Pedant zum Synonym für allerlei unsinniges Zeug. Eine Pointe der Geschichte ist, dass der Kappes seine engere rheinische Heimat mittlerweile sogar verlassen hat, denn auch anderswo kann man heute Sätze hören wie: Nu red ma keinen Kappes? oder Wat soll der Kappes? Diese nichtrheinischen Sprecher oder Sprecherinnen wissen dann aber gar nicht mehr, dass der Kappes eigentlich ein Gemüse ist.