LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

pingelich/pingelig

 

"Natürlich achte ich das Recht - aber damit darf man nicht so pingelich sein."

Ob der Alte vom Rhein das wirklich so gesagt hat, wie man überall lesen kann, ist gar nicht mal sicher. Aber das "Zitat" passt wunderbar in die aktuelle Debatte über die täglichen Banken- und Eurorettungen. Auch hier sind die Euro-Politiker aller Länder nämlich gar nicht sonderlich pingelig, wenn es um den Wortlaut geltender Verträge geht. 

Was Konrad Adenauer allerdings geschafft hat: Er hat ein Wort im deutschen Sprachraum populär gemacht, das ganz typisch rheinisch ist. Pingelig kann nur im Rheinland entstanden sein, was sofort klar wird, wenn man weiß, dass das Wort auf das heute nur noch selten zu hörende Wort Pein für Schmerz zurückgeht. Wörter, die auf Vokal plus n enden, werden im Rheinischen bekanntlich velarisiert, also mit einem auslautenden -ng gesprochen. Dazu gehören Wing (Wein), brung (braun), Ring (Rhein), Sonnesching (Sonnenschein) oder eben auch Ping (Schmerz, Pein). Pingelich bedeutet also eigentlich "peinlich", was in dem angeblichen Adenauer-Zitat noch durchscheint: Hier wird pingelich im Sinne von "peinlich genau" verwendet.  Die andere Bedeutung ist "sehr emfpindlich, wählerisch, zimperlich".

Pingelich ist neben Klüngel und Knöllchen eines der wenigen rheinischen Wörter, die ihre engere rheinische Heimat verlassen haben und heute auch von Nicht-Rheinländern benutzt werden. Konrad Adenauer scheint daran nicht ganz unschuldig zu sein.