LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

Großkotz

 

 

Die Google-Bild-Suche zum Stichwort Großkotz erbringt erstaunliche und nicht immer nachvollziehbare Ergebnisse. Wer ein Großkotz ist oder sein kann, hängt ganz offensichtlich auch mit der aktuellen politischen, sportlichen  oder sonstigen Wetterlage zusammen - weshalb hier auch - aus nahe liegenden Gründen - als Bildaufmacher ein eigentlich eher unfaires Beispiel aus dem Tierreich gewählt wurde.

Aber in dieser Rubrik geht ja nicht um moralische oder sonstige Wertmaßstäbe, sondern um die Sprache - und in diesem Fall um die Frage, wieso ein angeberischer und unangenehmer Mensch in der Umgangssprache eigentlich Großkotz genannt wird? Zwar findet man im Internet Erklärungsversuche, die auf das Erbrechen oder auf das "Auskotzen" angeberischer Reden abheben, aber wie so oft führt hier die Wortähnlichkeit nur in die etymologische Irre.

Der Großkotz ist eine der für die Umgangssprache so typischen Verballhornungen. Zugrunde liegt hier eigentlich das jiddische Wort "kozin", das 'Anführer, Herr, Reicher oder angesehene Person' bedeuten kann. Im Jiddischen kennt man entsprechende Sprüche wie stinkt wie e Kozen oder dicker fetter Kozen, die schon eine leichte Abwertung (ähnlich wie dicker Bauer oder stinkreich) zeigen. Von hier ist das Wort in die Gaunersprache und in die städtischen Umgangssprachen gewandert und hat seine heutige Bedeutung erhalten. Das Adjektiv "groß" ist später von den deutschen Sprechern zur Verstärkung hinzu gefügt worden.