LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

mauern und ramschen

Wenn jetzt die Tage wieder kürzer werden, haben Kartenspiele Hochsaison. Der Klassiker ist nicht nur im Rheinland dabei immer noch das Skatspiel.

 

Seine Bedeutung kann man, und das macht es eben für diese Seite interessant, auch an seiner Fachsprache ablesen. Selbst Experten und Skatprofis kennen kaum alle regionalen Varianten der vielen Fachbegriffe, und Laien verstehen oft nur noch Bahnhof, wenn sie Skatspieler bei ihrem Tun beobachten und Begriffe aufschnappen wie Nullspiel, reizen, Farbspiel, Null Overt, Handspiel, Stich, abheben,  Stock, Vorderhand, Grand, hören, Farbenflöte, Solo, Schneider, Schwarz, drücken, Augen, schmieren, abwerfen, buttern, Lusche, Bierlachs, Re/Contra, Bockrunde, Ommaspiel, schneiden/schnibbeln, Volle usw. Dabei sind die vielen unterschiedlichen Bezeichnungen für die Spielkarten selbst noch nicht einmal aufgeführt. 

Zwei wichtige Fachbegriffe fehlen noch in der Aufzählung. Wenn ein Skatspieler feige ist und ein gutes Blatt nicht ausreizt, dann nennt man ihn einen "Maurer". Und wenn alle Spíeler mauern, dann heißt das Ergebnis oft "Ramsch". Beide Wörter haben eine interessante Geschichte. Der Ramsch, also das Spiel, bei dem jeder Mitspieler entgegen der eigentlichen Spielidee möglichst wenig Punkte machen darf, geht zurück auf das französische Verb ramasser, das "einsammeln, zusammenraffen" bedeutet (beim Kartenspiel werden Punkte und Karten eingesammelt). Wahrscheinlich haben die Bezeichnung franzöische Soldaten mitgebracht. Damit wäre das Wort eines der wenigen französischen Lehnwörter, die tatsächlich in der Franzosenzeit eingebürgert wurden.

Noch interessanter aber ist das Verb mauern in diesem Zusammenhang. Es hat, wie man leicht vermuten könnte, nichts mit dem deutschen Verb "mauern" (also der handwerklichen Tätigkeit) zu tun. Es geht vielmehr auf das (aus dem Hebräischen) stammende jiddische Wort "mora" zurück, das soviel wie Furcht oder Angst bedeutet. Wir kennen es noch aus den Wendungen jemanden Mores lehren oder Mores haben. Aus diesem "mora" ist dann in der Umgangssprache der Skatausdruck "mauern" geworden, wobei die Sprecher, die das Wort nicht kannten, früher vielleicht wirklich an das Bild einer Mauer gedacht haben mögen. Ein Mauerbruder beim Skat ist also eigentlich ein ängstlicher Mensch, der Angst vor der eigenen Courage hat, wie man so sagt.