LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

 pöhlen

 

Angesichts der fußballerischen Leistung der deutschen Nationalmannschaft im Spiel gegen Algerien wird vielen Rheinländern sicherlich das Verb pöhlen in den Sinn gekommen sein. Andere wiederum werden an bolzen oder holzen gedacht haben. So bezeichnet man im Rheinland das amateurmäßige und unprofessionelle Kicken abseits der großen Fußballstadien. 

Pöhlen ist, folgt man dem AdA, dem Atlas der deutschen Alltagssprache, ein exklusiv rheinisches Wort, das man nur im Ruhrgebiet kennt (Siehe Karte).

Nach den Einträgen in diesem Wörterbuch ist das Verbreitungsgebiet allerdings etwas größer, danach wird auch am Niederrhein und im Bergischen Land gepöhlt, im südlichen Rheinland und im angrenzenden Westfalen kennt man das Wort nicht. Diese Exklusivität ist einigermaßen erstaunlich, denn das Wort geht offensichtlich, wie auch der AdA annimmt, auf den mundartlichen Pohl/Pöhl zurück, wie überall im Rheinland der Pfahl heißt. Aber eben nur im nördlichen Rheinland wurde aus dem abgeleiteten Verb die Bezeichnung für die etwas unbeholfene Kickerei. Wie der Pohl und das Pöhlen genau zusammenhängen, ist nicht ganz geklärt, der AdA deutet auf der entsprechenden Seite gleich mehrere Möglichkeiten an. Die Redaktion des Mitmachwörterbuchs erlaubt sich eine ganz einfache Erklärung: Als Tore wurden und werden bei den Freizeitskickern in der Regel auf die Schnelle zwei Pöhle als Torersatz in den Boden gerammt; mit denen kann dann nach Herzenslust gepöhlt werden. 

Als großräumiges Kartenwerk kann der AdA natürlich nicht alle kleinräumigen Varianten erfassen. Wie dieses Mitmachwörterbuch belegt, gibt es im Rheinland noch eine Reihe anderer höchst exklusiver und auf die örtlichen Mundarten zurückgehende Fachausdrücke. So heißt Fußball spielen im Bergischen Land und im westlichen Ruhrgebiet auch höschen, nur in Mönchengladbach und Grevenbroich pengen, in Düsseldorf pöllen und in Monheim knülzen.Besonders variantenreich ist das Ruhrgebiet, hier kennt man nämlich auch heppen, bötschen, blötschen und dötschen (wobei die letzten drei noch nicht im Mitmachwörterbuch belegt sind, jedoch in einer ILR-Umfrage für Essen erhoben wurden (siehe unten)).

Gottseidank haben die deutschen Nationalkicker im folgenden Spiel gegen Brasilien wieder zu einer gepflegteren Spielweise zurückgefunden, so dass das Pöhlen oder Bolzen wieder den Amateuren überlassen ist.

Nachtrag: Wie aktuell das Wort ist, zeigt sich an der neuen Mütze von Dortmunds Trainer Jürgen Klopp, die als "Pöhler-Kappe" außerhalb des Ruhrgebiets zur Zeit für Aufregung und Rätselraten sorgt. 

Wer mehr über den unbedingt empfehlenswerten AdA erfahren möchte, aus dem die obige Karte stammt, der klicke hier, wer mehr über die Sprache in Essen wissen möchte, der lese Georg Cornelissen, Zwischen Köttelbecke und Ruhr, Essen 2010.