LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

Pimmock oder Pimock

 

Vertriebene in Berlin 1946, Bild: Bundesarchiv 

 

Das Rheinland hat, wie viele andere Sprachregionen auch, eine ganze Reihe von abfälligen Bezeichnungen für Fremde: Pollack, Paselack, Bajuffe, Hanack/Haback, Escheck, Spaguffe, Zibbelinski, Pasemander oder Kuffnucke, um nur ein paar zu nennen. So wurden in der Vergangenheit Erntearbeiter aus dem Osten, Fremdarbeiter, Vertriebene, Gastarbeiter, Aussiedler oder werden aktuell Migrantinnen und Flüchtlinge genannt. Daraus generell auf Fremdenfeindlichkeit zu schließen, wäre sicher falsch, aber diese Bezeichnungen deuten an, dess es Fremde und Migrantinnen nicht leicht haben - wie überall auf der Welt. Freundliche Ausdrücke für Fremde wird man nicht finden.

Es gibt allerdings eine Ausnahme: Viele Kölner glauben, dass das kölsche Äquivalent Pimmock oder Pimock, wie Fremde in der Domstadt und Umgebung genannt werden, keineswegs abwertend, sondern eher spaßig gemeint sei, so wie auch der Immi eine wertfreie Bezeichnung für Zugezogene, nicht in Köln Geborene ist. Deshalb ist man im Gebrauch des Wortes in Köln heute viel freier als z.B. die Ruhrgebietler mit dem Wort Paselacke, für das man wegen Beleidigung sogar verurteilt werden kann. 

Als Begründung dient wohl die als eher lustig empfundene Lautform und die Tatsache, dass in Köln nahezu jeder ein Pimmock sein kann, so z.B. schon, wenn er von der falschen Rheinseite und erst recht aus Düsseldorf kommt.

Allerdings zeigt schon ein Blick in den "Kölnischen Sprachschatz", dass Pimmock durchaus abwertend gemeint ist, wie die anschauliche Definition von Adam Wrede deutlich macht: Pimock: beliebtes Schimpfwort erbärmlicher, schuftiger Kerl...Mensch, der durch Sprache, Gebaren u. Haltung unangenehm auffällt, fremdes Wesen den Eingesessenen gegenüber zeigt. Ein Pimock ist kurz jeder, der einem persönlich nicht passte.

Dass dies die als Pimmock Bezeichneten durchaus auch so verstanden und empfunden haben, zeigt die Kommentarspalte zum Stichwort in diesem Wörterbuch. Besonders Kinder und Jugendliche haben diese sprachliche Ausgrenzung bis heute nicht vergessen, auch wenn sie vielleicht nicht in jedem Fall böse gemeint war. Diese Erfahrungen lassen eigentlich nur einen Schluss zu: Jede Anrede, die auf das Fremd- oder Andersein des Gegenüber abhebt, beinhaltet immer das Moment der Aus- oder Abgrenzung und sollte deshalb besser ganz vermieden werden.

Um den Pimmock und seine Entstehung ranken sich einige lustige Entstehungslegenden. Sie sind nachzulesen in dem Buch "Alles Kokolores"; über die Geschichte von Sprache und Migration an Rhein und Ruhr handelt der neue Band "Alles Paletti?", beide vom Redakteur des Mitmachwörterbuchs.