LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

höösch

 

Bisse höösch, dat Kleine schläft!

Höösch ist etwas ganz Besonderes. Es ist erstens sehr typisch für das Rheinland und zweitens der seltene Fall, dass bei einem Wort Klang und Inhalt perfekt zueinander passen. Denn höösch klingt beim Sprechen wie dahin gehaucht, und genau das ist ja auch seine Bedeutung: „zart, leise, still, geräuschlos“. Der Wind is nur ma ganz höösch sagen auch Menschen, die nicht mehr Dialekt sprechen. Das Wort kann man also auch in der rheinischen Umgangssprache noch häufig hören.

 Dennoch ist höösch nicht lautmalend, sondern hat ganz handfeste sprachliche Wurzeln. Es ist im Rheinischen Wörterbuch ganz richtig unter dem Stichwort „höfisch“ verzeichnet und geht zurück auf die mittelhochdeutschen/mittelfränkischen Formen „hövesch/hovesch“, die man mit „wie bei Hofe, fein, zierlich“ übersetzen könnte. Auf die Rede oder Geräusche bezogen ist daraus im Rheinischen später die Bedeutung „still, leise“ geworden. Damit hat höösch indirekt auch etwas mit den Franzosen zu tun. Denn „hövesch/hovesch“ gab es ursprünglich nicht im Deutschen, es sind Eindeutschungen des französischen Begriffs „courtois“, der die Lebensweise des französischen Hofes meint (feingesittet, hofmäßig), die seit dem Mittelalter für viele Jahrhunderte das Vorbild für den deutschen Adel abgegeben hat.