LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

Knies

Knies ist ein unverzichtbares rheinisches Universalwort. Vor allem bringt es kurz und bündig auf den Punkt, was man im Hochdeutschen umständlich als „alter, festhaftender, meist klebriger Schmutz oder Schmier“ beschreiben müsste. Knies kann man an der Kleidung, in den Ohren oder Augen und an Möbeln finden. Wenn irgendwo in der Küche der Knies fingerhoch sitzt, sollte man also besser woanders essen gehen.

Auch irgendwie ne Art Knies

Ein Kniesbüggel (wörtlich Schmutzbeutel) ist entsprechend jemand, der unsauber und ungepflegt ist, kein Geld für sein Äußeres ausgibt. Deshalb kennt man ihn im Rheinland eigentlich nur noch als Inbegriff des Geizkragens. Daraus ist das Adjektiv kniestich „geizig“ entstanden: „Da is der viel zu kniestich für“ sagt man auch in der Umgangssprache.

Damit nicht genug. Wenn zwei Menschen Knies haben, dann haben sie Streit. Dabei handelt es sich jedoch nicht „nur“ um einen Streit, sondern um einen schon länger dauernden Konflikt, einen lang anhaltenden Groll oder untergründigen Zank. Aber das weiß man eben nur, wenn man Rheinisch kann.

 

Diese zweite Bedeutung ist verblüffend und nur schwer erklärbar. Denn Knies geht auf ein älteres Wort Gneist zurück, das im Spätmittelalter die Bezeichnung für Schorf und Hautausschlag war. Daraus hat sich in den Mundarten die Bedeutung „Schmutz auf der Haut“ und schließlich ganz allgemein Schmutz entwickelt. Noch ältere Wurzeln finden sich im althochdeutschen gnitan „reiben“ (ein Hautausschlag ist eine juckende Angelegenheit), für das ein Vorläufer mit der Bedeutung „zerreißen“ vermutet wird. Vielleicht hat sich im mundartlichenKnies als „Streit“ tatsächlich die Bedeutung dieses wirklich uralten Wortes erhalten – eine schöne Vorstellung, auch wenn sie nicht belegbar ist.       

 


Foto: ?HAURI-Fangodame-Rückenansicht? von HAURI - HAURI. Lizenziert unter CC
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