LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

 Möhne

 

Wenn es an Weiberfastnacht wieder heißt, die Möhnen hätten die Macht übernommen, dann weiß man in großen Teilen des Rheinlands, was damit gemeint ist: als alte Weiber verkleidete Frauen gebärden sich besonders wild im Karnevalstrubel. Weniger bekannt ist dagegen, dass die Bezeichnung für die Karnevalsfrauen eigentlich noch gar nicht so alt ist. Sporadisch in den dreißiger Jahren, vermehrt aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg werden die wilden Weiber auch Möhnen genannt. Davor waren sie im Rheinland einfach nur ahle Wiiver. Und bis dahin war Möhne die normale mundartliche Anrede für jede alte, verheiratete Frau über sechzig oder aber die leicht abfällige Bezeichnung für eine unverheiratete alte Jungfer. Diese Bedeutung hat sich bis heute noch in der Wendung Die hat ganz schön Möhnespeck angesetzt gehalten, mit der die Fettpolster älterer Frauen benannt werden. Gar nicht mehr bekannt ist, dass Möhnen keineswegs nur weiblichen Geschlechts waren. Auch willensschwache, weibische oder gutmütige Männer wurden im Rheinischen durchaus als Möhnen bezeichnet.

Die Verwendung des Wortes im sprachlichen Alltag ist in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts kontinuierlich zurückgegangen. Damit wurde es frei für seinen Auftritt im rheinischen Karneval. Heute ist die Möhne nur noch im Zusammenhang mit den närrischen Tagen zu hören, beim Möhneball, Möhnenabend oder in der Gestalt der Obermöhn. Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes ist schon seit dem Ende des 19. Jahrhunderts verschwunden. Die Muhme - Mühne und Möhne sind die rheinischen Varianten - war eigentlich die Schwester des Vaters oder der Mutter, ein anderes Wort für Tante also, genau das Wort, das - wie der Onkel den Öhm/Ühm (Oheim) - die Muhme im Sprachgebrauch verdrängt hat. Insofern kann man sich auch freuen, dass das alte Wort im rheinischen Karneval eine Überlebensnische gefunden hat.

Ein schönes Kompositum ist Möhnebier. Damit bezeichnet man im Rheinland das Malzbier, das ja früher als Frauenbier und als ganz besonders gesund für Schwangere galt. Möhnepiss ("dünner Kaffee") ist dagegen ungenießbar: Wat häste denn da fönne Möhnepiss gekocht, da kann man ja den Boden in der Tasse sehen. Krawallmöhn streitlustige Frau. Ein alter Möhnejrößer ist ein Mann der gegenüber Frauen eine übertriebene Höflichkeit an den Tag legt.

 

Foto Erich Maraite/Wikipedia