LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
Logo LVR


Wort des Monats

klamüsern


"Wat der wohl wieder am auseinanderklamüsern is?"

"Klamüsern" ist in der rheinischen Umgangssprache in der Regel als "auseinanderklamüsern" zu hören und beschreibt ein mühsames Geschäft: jemandem, der etwas schwer von Kapee ist, einen Sachverhalt zu erklären: "Jetz hab ich dir dat lang und breit auseinanderklamüsert, und du verstehs immer noch nix." In der Mundart hört man auch die Variante ?usklamüsere?, die vieles bedeuten kann: "tüfteln", "spionieren" und "sich etwas überlegen". "Wat häsde da ad widde usklamüsert?" wird so jemand dann meist misstrauisch gefragt.

Das berühmte Grimmsche Wörterbuch nennt "klamüsern" "ein viel gebrauchtes und mehrdeutig seltsames Wort", womit auch klar ist, dass es nicht exklusiv rheinisch ist. Es ist vielmehr ein Kunstwort, das erstmals im 16. Jahrhundert als ?kalmäusern? (grübeln) belegt ist. Das Verb verweist wiederum auf den "Kalmäuser/Kalmüser"; so wurden in jener Zeit in Schüler- und Studentenkreisen arme Schulmeister und weltfremde Bücherwürmer verullkt. Ableger davon findet man auch im Rotwelschen als "Kammesierer" (ge-lehrter Bettler) und im Jiddischen als camzon (Geizhals). Das Wort ist wohl ein schülersprachlicher Jux, entfremdet aus dem lateinischen calamus "Rohr, Schreibrohr, Schreibfeder?".