LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats


Kaue



Kleiderkaue im Bergwerk (Foto Bundesarchiv)


Die Kaue oder Kau kennt man im ganzen Rheinland bis hinunter ins Saarland in unter-schiedlichen Bedeutungsvarianten, wobei die Grundbedeutung immer „Hütte, Häuschen“ ist. Daraus leiten sich viele Gebrauchsweisen ab: (Vogel-)Käfig (heute noch vielfach als Möschekau zu hören), Taubenschlag, Lattenverschlag, Kaninchenstall, Hütte über dem Bergwerksschacht, Waschkaue, altes Haus, Bett.

So erklärt sich auch die moderne Bedeutungsvariante als Waschanstalt für Bergleute. Ursprünglich war die Kaue eine kleine Schutzhütte über dem Bergwerksschacht, aus der sich mit der Zeit die großen Werksgebäude übertage entwickelt haben. In der Waschkaue hat sich das alte Wort bis heute erhalten. Dass auch Betten als Kaue bezeichnet werden (Nu ab inne Kaue un geschlafen!), hat seinen Grund in der früheren Gewohnheit, die Schlafstätten in enge Holzverschläge zu verlegen. Im Mittelniederländischen nannte man diese „Schlafwandschränke“ kooi, woraus sich im Niederdeutschen die koye entwickelte, die wir noch heute als Koje auf Schiffen kennen.

Alle diese Varianten gehen zurück auf das lateinische cavea „Höhlung, Käfig“. Damit sind die Vorgänger der kleinen rheinischen Mösche- oder Duuvekau (Taubenschlag) die ausgegrabenen Tierkäfige im Amphitheater der römischen Augusta Treverorum (Trier), in denen die wilden Tiere für die berüchtigte Tierhatz gehalten wurden.