LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

 

Fisternöll

  

Hier bahnt sich ein Fisternöll an...

(Von Eugene de Blaas - Art Renewal Center, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4789594)

 

In der Hitliste der rheinischen Lieblingswörter nimmt Fisternöll unangefochten einen Spitzenplatz ein. Das liegt natürlich auch daran, weil Fisternöll viel mit Heimlichtuerei, Unmoral und Klatsch zu tun hat. Im zentralen Rheinland ist Fisternöll nämlich eine heimliche Liebschaft oder, wie man heute sagen würde, ein Verhältnis, von dem andere nichts wissen dürfen. Solche oft nur kurzlebigen Beziehungen haben im Rheinland natürlich besonders in der fünften Jahreszeit Konjunktur, weshalb man das dann auch Fastelovendsfisternöll nennt.

Daran knüpft auch eine der schönsten Worterklärungen an. Denn die Folgen eines solchen Fehltritts im Karnevalstrubel wurden, zumindest in Zeiten ohne Anti-Baby-Pille, spätestens zu Weihnachten offenbar, weshalb man diese Kinder in schöner französischer Tradition „fils a noël“ (Christkinder) nannte. Daraus hat die rheinische Zunge dann kurzerhand Fisternöll gemacht.

So phantasievoll diese Herleitung auch ist, so falsch ist sie leider auch. Denn zur Verwunderung der Rheinländer und Rheinländerinnen ist ein Fisternölleken am Niederrhein ganz prosaisch ein Schnaps, den man gegen Magenbeschwerden trinkt, und in Mönchengladbach und weiter im Westen bis nach Limburg ist ein Fisternölles ein Bastler, der im Keller am frickeln und brasseln ist. Und da kommt das Wort auch her. Fisteln oderfispern steht in weiten Teilen des Rheinlands für „basteln“, somit ist einFisternölles ein „Bastelarnold“ (Nöll ist die rheinische Abkürzung von Arnold). Aus diesem Fisternölles hat man wieder das Verb fisternöllen  abgeleitet, das in etwa „sich mit etwas beschäftigen“ bedeutet, was wiederum eine etwas ungenaue Umschreibung für eine Liebschaft ist.

AnFisternöll wird sehr schön das Nord-Südgefälle der rheinischen Mentalität sichtbar. Im Norden ein Schnaps -, im Westen ein fleißiger Bastler – und im leichtlebigen  Rheinland ein Liebesabenteuer.

Und noch etwas: Im niederländischen Limburg wurde in diesem Jahr das "schönste" limburgische Wort gewählt. Gewonnen hat den Wettbewerb das Verb fispernölle/fisternölle, das dort wie westlichen Rheinland "basteln" bedeutet. Nachzulesen ist das hier: http://www.limburgsedialecten.nl/nieuws/1403/fiespernlle-mooiste-limburgse-dialectwoord.html.