LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

fimmelich

 

 

Hier steht Fimmelsarbeit an.

 

Zu den rheinischen Wörtern, die auf den ersten Blick so gar nicht alt oder exotisch anmuten, gehört sicherlich auch fimmelich. Das ist man im Rheinland, wenn man zimperlich und wählerisch ist (Nu sei ma nich so fimmelich, hier wird gegessen, wat auf den Tisch kommt.) Ein Fimmel ist entspechend ein zimperliches Mädchen, männliche Fimmel sind in der Umgangssprache höchstens als Fimmelsköpp bekannt. Das Verb fimmeln (zaudern, etwas mit den Fingerspitzen arbeiten) kommt nur noch in Fimmelsarbeit vor.

Gegen den Anschein geht die Wortfamilie tatsächlich auf die aus dem Lateinischen stammende Terminologie des Hanfanbaus zurück, der auch im Rheinland einmal von Bedeutung war. Femella, also der Diminutiv von Femina, bezeichnete im gallisch-römischen Raum Lebewesen weiblichen Geschlechts, weshalb Cannabis Femella die weibliche, also kleinere Hanfpflanze war (fälschlicherweise, denn die kleinere Hanfpflanze ist eigentlich die männliche Form). Diese „weibliche“ Bedeutung findet man noch heute im rheinischen Fimmel (zarte Frau) und in der gendermäßig völlig unkorrekten Ableitung fimmelich als „zimperlich“. In den Mundarten ist die Herkunft noch deutlich, dort ist Fimmel auch heute noch die Bezeichnung für die Hanfpflanze und das Verb fimmeln bedeutet entsprechend „den Hanf rupfen“. Das Wort ist nicht über das französische femelle ins Rheinland gelangt, wie schon mal behauptet wird, sondern gehört ebenfalls zur römerzeitlichen Lehnwortschicht.

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