LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

 

Muckefuck

 

 Falscher Kaffee und falsche Theorie

 

 

Dünner Kaffee ist im Rheinland ein kleiner Weltuntergang. Das belegen die vielen Bezeichnungen, die es hier für diese verhasste Brühe gibt: Blümchenkaffee, Schwerterkaffee (weil man angeblich bis auf den Boden der Kaffeetasse sehen kann), Bodenseekaffee, Zores, Spräuz, Schlüntes, Plörre, Geschläpps,Bankrottsbrühe, Flöres oder Schlotterbrühe“. Das bekannteste Wort, das auch seinen Weg in die Umgangssprache gefunden hat, ist aber sicherlich Muckefuck, das auch für den genauso unbeliebten Ersatzkaffee aus Zichorienblüten stehen kann. 

Den haben angeblich die Berliner erfunden; und da die bekanntlich unter Preußens Glorie lieber Französisch als Deutsch gesprochen haben, auch gleich mocca faux, also falscher Mocca genannt. Daraus hat der gemeine Berliner dann kurzerhand den Muckefuck gemacht. 

Da staunt man im Rheinland und wundert sich – und das zu Recht. Denn unser Muckefuck ist weder in Berlin entstanden noch hat das Wort etwas mit dem Französischen zu tun. Im Gegenteil, Muckefuck ist ein urrheinisches Mundartwort, zusammengesetzt aus Muck/Mocke, das Schlamm oder trübe Brühe bedeutet, und fuck, das für faul steht (hier sei an fuckackig erinnert, ein beliebtes rheinisches Wort, das die Fäulnis in einem Apfel oder einer Birne bezeichnet). Im Bergischen sind die Mucken verfaulende Baumstümpfe, deren Mulm, gerne als Dünger verwendet, an mehrfach aufgeschütteten Kaffeesatz erinnert.   

 

Fotonachweis :Richard Huber - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18307652