LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

Pimpernellen und Pimpernölles

 

Das sind mal exklusiv rheinische Wendungen: Da krichse die Pimpernellen bei der Cellophanverpackung! Ich krich noch die Pimpernölles bei der Frickelei hier! oder Wenn ich noch lange im Stau steh, dann krich ich se anne Pimpernellen!

Nur zwischen Emmerich und der Eifel, im Ruhrgebiet und im südlichen Münsterland wissen die Menschen, welcher Gemütszustand sich hinter diesen Aussagen verbirgt. Wenn man hier die oder es anne Pimpernellen kricht, dann ist man im Zustand größter Ungeduld, ist hochgradig hibbelich oder fickerich, wie man im Rheinland auch sagt. Schon im Westerwald oder im Hunsrück würde man mit einem solchen Stoßzeufzer auf völliges Unverständnis stoßen. 

Die Pimpernellen selbst gibt es natürlich auch dort. Die sehen meist so aus:

Foto von zwei Pimpernellen

Es handelt sich hier um Sanguisorba minor, besser bekannt unter dem netten Namen "Kleiner Wiesenknopf", eine Pflanze, der auch blutstillende Wirkung zugeschrieben wird.

Was hat der Wiesenknopf nun mit der Wendung die Pimpernellen kriegen zu tun? Wahrscheinlich nichts. Im Rheinland kann die Pimpernell oder Bibernell nämlich auch das gemeine Zittergras sein:

Zeichnung Zittergras

Dessen Name ist tatsächlich in Anlehnung an das Verb bibbern (zittern) aus der "richtigen" Pimpernelle entstanden. Diese "Bibernelle" als volksetymologische Umdeutung der Pimpernelle ist in den Mundarten des Rheinlands dann zur Bezeichnung menschlichen Zitterns bei Ungeduld und Angst geworden.

So selten man das Zittergras heute in der freien Natur antrifft, so selten hört man die lustige rheinische Wendung die Pimpernölles kriegen heute bei Jugendlichen. Eine Stichprobe an einem Bonner Gymnasium Anfang des Jahres war ernüchternd.  Von 72 befragten Schülern und Schülerinnen der Jahrgangsstufen 11 bis 13 konnte niemand etwas mit der Wendung anfangen, alle reagierten im Gegenteil mit völligem Unverständnis. Eigentlich schade um das schöne Sprachspiel.

Die Bilder wurden unter GNU-Lizenz für freie Dokumentation veröffentlicht; Quelle: Wikipedia