LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

 porkeln/pörkeln

 

porkeln,pörkeln auch prokeln/prockeln „bohren "stochern, fummeln“ ist ein häufig zu hörendes Wort, das sowohl in der rheinischen als auch der westfälischen Umgangssprache heimisch und für die Kindererziehung eigentlich unerlässlich ist: Porkel da nich dran herum, dann entzündet sich dat nur. Hör auf, dir inne Ohren zu porkeln, wie sieht dat denn aus!

Mit dem Ding darf man nach Herzenslust porkeln

 

Das Gerät, mit dem in einem Ofen oder Kohleherd stochert, heißt Porkeleisen  oder Prockeleisen (mundartlich Porkelieser). Da es aber immer weniger Kohleherde gibt, wird das Gerät wohl bald unbekannt sein.

 Das Wort hat zu fantasievollen Deutungsversuchen Anlass gegeben: So  wird  es u. a. auf griechisch porös zurückgeführt (weil im Ofen durch Stochern Löcher geschaffen werden) oder griechisch proktos „Mastdarm“ (als verhüllendes Wort für eine anrüchige Tätigkeit). Die Realität ist weniger aufregend: Pörkeln/prokeln hat eine reich bezeugte Vergangenheit als prekelen im Mittelniederdeutschen und Mittelniederländischen. Die Grundbedeutung ist immer „stechen, stochern“, die Ableitung prekel meint jedes „stechende Ding“. Als preukelen „stochern“ gehört es zur niederländischen Standardsprache. Verwandt sind das niederdeutsche pricken „etwas ausbohren, ausstechen“ (hierher gehört die Pricke als in den Boden gebohrtes Seezeichen), das altenglische prician und schwedisches pricka „stechen“.

Man sieht, geporkelt hat man schon im Mittelalter.