LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

 

Altrüscher

 

Ein irischer Altrüscher

Im Rheinland heißt der Lumpensammler oder Schrotthändler auch heute noch in der Umgangssprache Altrüscher oder Altrüüscher, obwohl heute keine Pferdewagen mehr mit lautem Schellen und dem Ruf Lompe, Iise on Papier… durch die Straßen fahren, um Altwaren oder Schrott einzusammeln. Dennoch hat sich die alte Mundartbezeichnung auch für die modernen, professionellen Schrotthändler gehalten: Die Altrüscher fahren die dicksten Autos

Den Altrüsche oder auch Alträuscher und Altröösche kennt man fast im gesamten Rheinland (außer im hohen Norden); immerhin gab es in Köln sogar eine Gilde der Alträucher und auch heute noch heißt dort ein großes Entrümpelungsunternehmen "Alträucher GmbH". Dennoch gibt das Wort immer noch einige Rätsel auf. Im Rheinischen Wörterbuch gilt es als eine - rheinische - Sonderbedeutung von rauschen, das in den Mundarten ruusche oder rüüsche lautet. Dafür spricht, dass es in der Mundart auch das Wort Ruusch/Rausch gibt, das „Kauf, Verkauf in Bausch und Bogen“ bedeuten kann. Allerdings scheint ein Zusammenhang mit dem mittelhochdeutschen altriuze „Schuhflicker“ wahrscheinlicher, ein Wort, das sich auch heute noch im Oberdeutschen als Altreise „Altwarenhändler“ findet. Antiquare heißen dort manchmal Bücheraltreise. Das Verb riuze/reisen ist verwandt mit Riester „Schuhflicken“. Auch die Flickschusterei war früher kein angesehenes Gewerbe, so dass die Bezeichnung durchaus auf den Lumpensammler übergegangen sein kann.

 Zwar ist der Altrüscher die verbreitetste Bezeichnung für den Lumpenhändler, aber das Rheinland kennt noch viel mehr: Klüngelskerl, Knüngelspitt, Lumpenpitt, Plutemann, Fuddelskrämer, Huddelskrämer, Lappenkrämer, Lummelkriemer oder Plackemann.

 

Foto: John Lindie - http://www.flickr.com/photos/spiros2004/