LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

Alaaf

 

 Alaaf ist der berühmte kölnische Narrenruf, der heute weit über die rheinischen Sprachgrenzen hinaus bekannt ist. Das Wort selbst birgt eigentlich keine Geheimnisse, denn es heißt nichts anderes als „all(es) ab(wärts)“, kölsch all af, was man im Schlachtruf Kölle alaaf als „alles steht unter Köln“ verstehen muss – eine etwas schräge Variante des hymnenseligen „über alles“, rheinisch eben.

Spannender ist da schon die Wortgeschichte. Die zeigt nämlich, dass alaaf ursprünglich weder etwas mit dem Karneval noch mit Köln zu tun hatte. Vielmehr findet sich der älteste bekannte Beleg auf einem 1951 aufgefundenen Bartmannskrug, ein für das Rheinland typischer Trinkkrug, in dem eingeprägten Spruchband Allaf für einen goden Druingk „Nichts geht über einen guten Schluck“. Der Krug wird in das Jahr 1550 datiert, andere, wenig später gefundene Krüge aus einer Frechener Töpferei, tragen dieselbe Aufschrift. Alaaf war also früher ein allgemeiner Hochruf, mit dem man alles Mögliche hochleben lassen konnte. Und er war keineswegs auf die Kölner Region beschränkt, schon im 18. Jahrhundert ist er für Aachen belegt, wo man sich heute noch bei einem aufgezwungenen vegetarischen Essen mit Alaaf e Kotlett sogar ein Stück Fleisch herbei wünschen kann. Am Niederrhein sagt man Alaaf Mostert „nichts geht über Senf“ oder Allaf Köbes, der schmett et, wenn man das Essen in der Kneipe loben will. Und sogar im angrenzenden Limburgischen und Westfälischen ist Alaaf  bekannt, für Dortmund ist es als „das lobe ich mir“ für das Jahr 1877 bezeugt. In der Umgangssprache ist Alaaf  heute allerdings nicht mehr zu finden, und wenn es heute nur noch im kölnischen Karneval zu hören ist, ist das nur gerecht, immerhin findet sich in Köln der älteste Beleg.

Noch spannender als die Sprachgeschichte sind jedoch, wie so oft, die meist sehr phantasievollen Deutungsversuche, die Alaaf in seiner Geschichte erlebt hat. Kaum eine Sprache, die nicht zur Erklärung des Wortes taugt; angefangen beim Keltischen (aus angeblichem alef „Glück“ als Glückwunsch beim „Gesundheitstrinken“), über das Syrische (das die Kölnischen Kreuzfahrer beim Sturm auf Akkon in Olaf hadegel „die Fahne sinkt“ kennengelernt haben sollen), das Jüdische (weil beim Tarot der erste Buchstabe aleph dem Narren zugeordnet ist), das Englische (zu aloft „hoch oben“) bis zum Spanischen (aus alaber „loben, preisen“ oder „maurisch-spanisch“ Alafia „Heil, Segen“). Und natürlich darf im Rheinland der Hinweis auf das Französische nicht fehlen: eleve-toi, cologne „hoch dir, Köln“, oder noch schöner als Nachäffung napoleonischer Soldaten aus französisch aller „laufen, marschieren“ und rheinisch laafen „laufen“. Genauso phantastisch sind die Ableitungen aus deutschen Dialekten. So soll das kölnische Alaaf tatsächlich auf alemannisch A Laaf‘n („eine Larve“, so die Bezeichnung schwäbischer Karnevalsmasken) zurückgehen. Harmloser ist da schon die Deutung aus dem helgoländischen Ruf Alleeft beim Ankerwerfen . Mit Schiffen hat auch eine andere Legende zu tun, die gleichzeitig Alaaf und Helau erklären kann: „Köln hatte im Mittelalter das sogenannte ‚Stapelrecht‘. Jedes Handelsschiff, das ab 1259 Köln passierte, musste drei Tage lang die geladene Ware zu einem festgelegten Preis zum Verkauf anbieten. Der Ruf Alaaf bedeutete dabei so viel wie ‚Alles abladen!‘. Ein Mainzer Kaufmann widersetzte sich der Legende nach diesem Privileg mit Waffengewalt und dem Ausruf ‚Ik will he lau fahrn!‘. Den Mainzer Kaufleuten gelang es schließlich, die Blockade mit ihrem Schiff zu durchbrechen, wobei ihr Anführer tödlich verwundet wurde. Beerdigt wurde der Händler bei Kaiserswerth, sodass heutzutage der Karnevalsruf der Kölner Alaaf ist und die Antwort der Mainzer und Düsseldorfer Narren ‚Helau‘ lautet.“   

Anmerkung 1: Der Bartmannkrug aus dem Jahr 1550, der für die hier beschriebene Wortgeschichte bedeutsam ist, kann im Keramion, dem Keramikmuseum in Frechen, besichtigt werden, dessen Besuch überhaupt zu empfehlen ist.    

Anmerkung 2: Dies ist ein Vorabdruck aus einem rheinischen Herkunftswörterbuch, das der Redakteur dieses Mitmachwörterbuchs im Mai veröffentlichen wird. Es beruht auf den Einträgen in dieser Online-Datenbank und beinhaltet auch alle Wörter, die  in der Rubrik "Wort des Monats" vorgestellt wurden. 

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