LVR-Institut für Landeskunde
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Wort des Monats

 robotten/rabotten

Dat ganze Leben robotten un abends vor de Glotze sitzen, dat soll alles sein? Tschüss, ich muss jetz robotten gehen: Im Ruhrgebiet wird diese Sätze wohl jeder verstehen, mit zunehmender Entfernung zum Pott dürfte die Kenntnis des Wortes robotten oder rabotten wohl kontinuierlich abnehmen, obwohl es schon Spuren im Internet hinterlassen hat: „Kunst gegen Robotten“ war z. B. die Schlagzeile nach einem Fußballspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen eine brasilianische Auswahl; wer da jeweils gemeint war, bedarf keiner weiteren Erläuterung. 

robotten unter Tage

Robotten bedeutet ganz allgemein „arbeiten“, wobei nicht eine bestimmte Tätigkeit gemeint ist, sondern eher die Lohnarbeit an sich. Es ist damit in etwa dem malochen vergleichbar, dass nicht von ungefähr ebenfalls im Pott beheimatet ist. Fragt man nach dem Ursprung des Wortes, ist die erste Assoziation meist der Roboter. Das ist so falsch nicht, allerdings auch nicht richtig. Der „Robot“ erscheint erstmals 1920 auf der literarischen Bühne; der tschechische Autor K. Capek nannte in seinem utopichen Roman „R.U.R. (Rossum’s Universal Robots) von 1920 so einen künstlichen Menschen, der Hilfsarbeiten verrichten und sogar reden kann. In der deutschen Übersetzung von 1922 wurde daraus dann der noch heute gültige Roboter. 

Unserrobotten kennt man allerdings in der deutschen Umgangssprache schon seit dem 19. Jahrhundert, so dass es unmöglich aus der literarischen Kunstfigur abgeleitet sein kann. Schon im 14. Jahrhundert verwendete man im östlichen Mitteldeutschen das Wort Robot als Bezeichnung für die Fron oder den Arbeitsdienst und hatte daraus das Verb robotten „schwer arbeiten“ abgeleitet. Mit der Anwerbung ostdeutscher Arbeitskräfte war das Wort schließlich auch in das Ruhrgebiet gelangt. Allerdings besteht eine Verwandtschaft zwischen robotten und dem Roboter, denn beide haben ihre frühen Wurzeln im alttschechischen „robota“, was damals schon „schwere, mühevolle Arbeit, Knechtsarbeit“ bedeutete (noch heute heißt russisch „rabota“ (Arbeit)). Geht man noch weiter zurück, würde man wahrscheinlich sogar gemeinsame Wurzeln für die Wörter „Arbeit“ und „Robot“ finden, die auf ein indogermanisches Urwort zurückgehen.

 

 

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-13287-0004,_Bergarbeiter_und_Lehrling_bohrend.jpg