LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Wort des Monats

Prumm

 

 

Nun ist wieder Pflaumenzeit, und damit auch die hohe Zeit für den - nicht nur im Rheinland - so beliebten Pflaumenkuchen. Der heißt hier in den Mundarten, aber eben auch noch vielfach in der Umgangssprache, Prummetaat. Es sei denn, er ist eine Kwetschetaat, dann ist er aus den später reifenden, etwas kleineren Zwetschgen (die sich, fragt man Rheinländerinnen, eigentlich nur für den Pflaumenkuchen eignen; was sie aber nicht davon abhält, dazu trotzdem Prummetaat zu sagen).

Die Prumm oder Prumme ist ein schönes Beispiel, wie die Mundarten gegenüber der Hochsprache wirklich alte Formen bewahren. Denn sowohl die standardsprachliche Pflaume als auch die rheinische Prumme gehen auf eine gemeinsame Wurzel zurück, das griechische "proumnon" (Pflaume). Im Lateinischen wurde daraus "prunum/prunus" (Pflaumenbaum). Schon im frühen Althochdeutschen trat dann ein für den deutschen Sprachraum nicht ganz unbekannter Konsonantenwechsel von r zu l ein, der zusammen mit der hochdeutschen Lautverschiebung aus der lateinischen Vorlage zuerst eine pfluma und schließlich die mittelhochdeutsche pflume machte, die zum Vorbild unserer heutigen Pflaume wurde. Die Sprecher und Sprecherinnen im mittelniederdeutschen Raum haben diese Entwicklung jedoch nicht mitgemacht. Sie haben an den ursprünglichen prume-Formen festgehalten; wie z. B. ein Kölner Beleg aus dem Jahr 1193 beweist. Auch unsere niederländischen Nachbarn sagen heute noch "pruim" zu dem beliebten Steinobst.

Die Rheinländerinnen bewahren in der Prummetaat also ein wirklich ehrwürdiges Wort, das Sprachgeschichte sehr anschaulich macht. Und sie sind auch für eine der schönsten Wortschöpfungen überhaupt verantwortlich, der Plüschprumm. Diese Pflaume mit einer samtenen Haut ist natürlich der standardsprachliche Pfirsich.

Für eine andere Bedeutung der Prumm sind dann wohl doch eher die Rheinländer verantwortlich. Wie in der allgemeinen Umgangssprache die Pflaume, steht auch die rheinische Prumm für die weiblichen Geschlechtsorgane und damit für die Frau an sich. Das wiederum führt zu so lustigen Zusammensetzungen wie Musterprumm oder Mutzeprumm, womit entweder auffällig gekleidete oder missmutige Frauen gemeint sind. 

Das Bild wurde unter GNU-Lizenz für freie Dokumentation veröffentlicht; Quelle: Wikipedia "Zwetschgendatschi" von Mufi69
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